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Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen

Autor/in:
Kat Menschik (Illustration) | Arnhild Kantelhard (Hrsg.) 
Übersetzung:
Das Hausbuch der Gespenster- und Gruselgeschichten 
Verlag:
Gerstenberg 
Publiziert:
2005 
ISBN:
3-8067-5088-2- 
Seiten:
192 S. 
Schlagwörter:
Klassiker | Horror 

Rezension

Die 37-jährige Berliner Illustratorin Kat Menschik brillierte bereits mit Meerjungfrauen aller Art, mit Gespenstern oder mit einer eigenwilligen Interpretation von Andersens Märchen. Besonders gut eignet sich ihr vom Comic inspirierter, lustvoll mit Versatzstücken aus der Popkultur spielender Stil zur Illustration von Gruselgeschichten, wie das neue Gerstenberg-Hausbuch zeigt. Ihre Gespenster, Vampire und Friedhöfe sind Zitate, Stilisierungen und Karikaturen: so schauerlich, wie man sie kennt, also eigentlich harmlos, und deswegen gerade furchtbar genug, um einen kalten Finger über die Wirbelsäule streichen zu fühlen.
Die Texte, die Arnhild Kantelhard ausgewählt hat, sind in den meisten Fällen auch für grössere Kinder erträglich (wie sie im Vorwort warnt, sollte man die Geschichten zuerst selber lesen und je nach Kind entscheiden, wie viel Angstlust man ihm zumuten kann). In einem ersten Teil geht es um “Schreckensnächte”, wobei Klassiker wie Tschechow, E.T.A. Hoffmann und Maupassant neben dem Bestseller-Gruselonkel R.L. Stine stehen. Auch die beiden vielversprechenden Abteilungen “Schaurige Gestalten” und “Aus dem Totenreich” versammeln vor allem Klassiker – Kleist, Dickens, Kipling, Preussler und Hamsun. Es sind nicht unbedingt die ProfihorrorschreiberInnen, die am besten wissen, wie man jemanden das Fürchten lehren kann. Je vielschichtiger, je literarischer ein Text, desto mehr Register gibt es, die er ziehen kann, um dem Unheimlichen, das an der vermeintlich sicheren Grenze zwischen Realität und Fantasie wohnt, zum Ausdruck zu verhelfen.
Christine Lötscher

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