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Mein lieber Herr Bellmann

Autor/in:
Martine Nijhoff (Text) | Doesjka Bramlage (Illustration) 
Übersetzung:
Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart. 
Verlag:
Fischer 
Publiziert:
2005 
ISBN:
3-596-85167-X 
Seiten:
141 S. 
Schlagwörter:
Freundschaft | Trennungen und Neubeginn | Hunde 

Rezension

Es sind zwei Geschichten, die dieses Buch erzählt. Die erste ist geschrieben und handelt ganz realistisch von Pieter und seinen Eltern, die sich trennen. Hendrik, der Papa, zieht aus und nimmt Herrn Bellmann mit, den Hund, der bisher ist Pieters Vertrauter war, sein Spielkamerad und Freund. Dieser Verlust ist zu benennen, und all das, was Pieter seinem Vater nicht mehr sagen kann, schreibt er Herrn Bellmann, und der schreibt ihm zurück, aus „Italjen“, wo er mit Hendrik jetzt wohnt – bis Pieter in den Sommerferien die beiden besucht und erlebt, dass sein Papa ihn immer noch gern hat und dass er künftig an zwei Orten zuhause sein wird.
Die zweite Geschichte ist gezeichnet; es ist Pieters phantastische Bildgeschichte von Herrn Bellmann und „Rosa Hund“, Pieters Lieblingsstofftier, und sie setzt das, was der Junge erlebt und nicht versteht, in Abenteuer und Sehnsuchtsbilder um. Die Bildgeschichte läuft unter dem Text immer mit – ausser da, wo wir Herrn Bellmanns Briefe lesen dürfen –, und beide Geschichten zusammen sprechen eindringlich und berührend von Pieters Schmerz, seiner Verlorenheit und dem Kämpfen um ein neues Gleichgewicht im Leben, einen Neuanfang. Und wir haben Dank der beiden Ebenen das Gefühl, als sähen wir Pieter gleichzeitig von aussen und in ihn hinein.
Verena Stössinger

Ein Buchtipp aus "weiterfliegen. Empfehlenswerte Kinder- und Jugendbücher", einem 2008 abgeschlossenen Projekt der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich und des SIKJM. Die rezensierten Bücher zeichnen ein differenziertes Geschlechterbild und zeigen Mädchen und Buben frei von Rollenklischees.

Rezension 2

Seit Pieter denken kann, leben sie zusammen: Hendrik, Ida, Herr Bellmann, Rosa Hund und er. Und jetzt ist plötzlich alles anders. Hendrik ist weg und mit ihm der Hund, Herr Bellmann. Dabei hätte Pieter Herrn Bellmann dringend gebraucht für die Aufführung eines Ritter-und-Drachen-Kampfs am Schulfest. Als Ida einen Brief von Hendrik erhält, notiert sich Pieter den Absender und schreibt einen ersten Brief an Herrn Bellmann: “Liber Herr Bellmann, warum bist du nach Italien gegangen? Du musst doch Drache sein. Komm wider. Ps. Hendrik braucht nicht mehr wider kommen!!! Nie mer. Der ist ein Schuft. Das sagt Mama auch. Dein Freund Pieter”. Und Herr Bellmann schreibt zurück, erzählt, dass sie jetzt in der Toskana leben und Pieter sich einen anderen Drachen suchen muss.
In den Sommerferien darf Pieter zu Herrn Bellmann in die Ferien. Nach und nach kann er zulassen, dass Hendrik ihn immer noch gern hat, auch wenn er nicht zurückkommen wird.
Das ist die einfühlsam und mit viel Humor erzählte Geschichte einer Trennung und der schwierigen Zeit danach, wie sie Martine Nijhoff in der oberen Hälfte des Buches erzählt. Die untere Buchhälfte ist für Pieters Bildergeschichte über Herrn Bellmann und sein Kuscheltier “Rosa Hund” reserviert. Ihn ihr verarbeitet der Junge das Geschehen auf seine Weise. Doesjka Bramlage hat den Comicstrip mit der linken Hand gezeichnet und macht dadurch die Bilder aus Kinderhand glaubwürdig. Text- und Bildebene können unabhängig voneinander gelesen werden und lassen das Bild eines Jungen entstehen, der nach der tiefen Verletzung, die die Trennung der Eltern für ihn bedeutet, wieder zu sich finden kann. Dank der Bildschiene eignet sich das Buch auch ausgezeichnet für leseschwache Kinder.
Christine Tresch

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