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Emil wird sieben

Autor/in:
Karin Koch (Text) | André Rösler (Illustration) 
Übersetzung:
 
Verlag:
Hammer 
Publiziert:
2005 
ISBN:
3-7795-0038-8 
Seiten:
47 S. 
Schlagwörter:
Freundschaft | Identität | Patchworkfamilie 

Rezension

Nein, das ist keine gute Überraschung! An einem Sonntagmorgen will Emil zu seiner Mama ins Bett kriechen, da „liegt ein fremder Mann“. Und am Frühstückstisch setzt der sich auf Emils Stuhl. Und Mama macht sich schön für ihn und vergisst Emils Apfelsaft und kocht sogar Brokkoli! Obwohl sie weiss, dass Emil den nicht mag. Also entschliesst er sich, den Neuen nicht zu mögen. Und je mehr Mama mit ihm knutscht, umso störrischer wird Emil und geht lieber zu Papa. Aber der hat auch eine neue Freundin, und die wiederum hat eine Tochter, die ein bisschen älter ist als er und gerne angibt. Emil fühlt sich ganz verloren, obwohl er Mama und Papa doch mag und merkt, wie traurig sie sind über Emils Widerstand. Der Text zeichnet diese Gefühlsturbulenzen in knappen Szenen nach und zeigt, wie der siebenjährige Emil mit der Zeit merkt, dass er durch die neue Familiensituation nicht nur verliert, sondern auch eine Menge neuer Kontakte bekommt. Das ausgiebig farbig illustrierte Buch nimmt ErstleserInnen, die in einer ähnlichen Situation stecken, ernst und gibt ihnen eine tröstliche Perspektive – vielleicht gerade dadurch, dass der Plot recht absehbar ist und sein Konfliktpotential nicht wirklich ausgereizt wird.
Verena Stössinger

Ein Buchtipp aus "weiterfliegen. Empfehlenswerte Kinder- und Jugendbücher", einem 2008 abgeschlossenen Projekt der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich und des SIKJM. Die rezensierten Bücher zeichnen ein differenziertes Geschlechterbild und zeigen Mädchen und Buben frei von Rollenklischees.

Rezension 2

Emil ist fast sieben und wohnt mit seiner Mama in der Stadt. Seinen Papa sieht er nicht oft. Immerhin muss er dazu nicht wie sein Freund Juri nach Moskau fliegen. Eines Morgens liegt ein fremder Mann in Mamas Bett. Dass Emil Mama fortan mit Robert teilen soll, der ihm Baby-Geschenke mitbringt und Brokkoli mag, ist ganz und gar nicht in seinem Sinn. Mama aber hält an Robert fest – Emils angedrohtem Hungertod, seiner Verzweiflungsflucht oder des von ihm provokativ hingeworfenen “Früher hat Mama mit Papa geknutscht … Und gefickt!” zum Trotz. Dass auch Papa weniger Zeit für Emil hat, denn da ist jetzt Anna, macht die Sache nicht leichter. Doch Emils aufgewühlte Seele beruhigt sich schnell, und sein siebter Geburtstag wird sogar richtig cool.
Humorvoll greift Karin Koch das Thema Patchworkfamilie auf. Kinder, die sich unverhofft mit dem neuen Mann in Mamas Leben konfrontiert sehen, oder Mütter, die sich für den neuen Partner einsetzen und ihren Kindern die Stirn bieten, sind keineswegs neu in der Kinderliteratur. Selten aber wurde die Gefühlswelt des betroffenen Kindes so erfrischend und mit einem ähnlich idealen Zusammenspiel von Text und Bild dargestellt. Die witzigen Illustrationen von André Rösler widerspiegeln Emils Gefühlswelt in ihrer ganzen Bandbreite: Verlassenheit, Zorn, Coolness, Neugier, Jubel ... Man müsste schon ein Herz aus Stein haben, berührte einen Emils Verlorenheit angesichts der verliebt schmachtenden Erwachsenen nicht. Da fällt es auch nicht weiter ins Gewicht, dass sich Emils Probleme in der Realität kaum so einfach lösen lassen dürften.
Die aus der Perspektive von Emil erzählte Geschichte ist auch für LeseanfängerInnen geeignet.
Ursula Kahi

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