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De Wind i de Wide

Autor/in:
Kenneth Grahame | Heinz Stalder 
Übersetzung:
Schweizer Radio DRS1 
Verlag:
Tudor 
Publiziert:
2004 
ISBN:
3-03776-236-5 
Seiten:
3 CDs 
Schlagwörter:
Freundschaft | Natur | Klassiker | Tiere 

Rezension

Der Kinderbuchklassiker “The Wind in the Willows” von Kenneth Grahame, 1908 erschienen, hat im deutschsprachigen Raum nie die Beliebtheit erhalten wie in der angelsächsischen Welt, obwohl er immer wieder neu aufgelegt und von KennerInnen der Kinderliteratur heiss geliebt wird.
Nun sind gleich drei Ausgaben des Klassikers auf den Markt gekommen, von denen die eine oder andere vielleicht dazu beitragen kann, den “Wind in den Weiden” endlich auch hierzulande aus der Reihe der Geheimtipps zu entlassen. Der Bassermann-Verlag hat das Buch mit Illustrationen von Eric Kincaid in der Übersetzung von Sybil Gräfin Schönfeld aufgelegt. Bei Kein&Aber erscheint es in der unübertroffenen Übersetzung von Harry Rowohlt, versehen mit den Illustrationen von Ernest H. Shepard, die eine eigene Editionsgeschichte haben. Ein informatives Nachwort des englischen Kulturkritikers und Autors Brian Sibley ergänzt den bibliophilen Band. Und dann ist da, last but not least, die Hörspieladaptation des Kinderbuchklassikers von Heinz Stalder, produziert von der Hörspielabteilung von Schweizer Radio DRS1.
Der in Luzern und London lebende Autor Heinz Stalder hatte die schwierige Aufgabe, einen Text, der genauso von philosophischen Passagen und Naturbeschreibungen lebt wie von der Handlung, in eine radiophone Form zu bringen, in der das Dialogische im Zentrum steht. Und das erst noch auf Mundart.
Da wird aus dem Leben von drei liebenswerten, verschrobenen, ehrenswerten vierfüssigen Gentlemen – Maulwurf Kauki (Michael Neuenschwander), Ratte Nik (Bettina Stucki), dem Fischotter (Ernst Sigrist) und Dachs Jussi (Frank Demenga) – erzählt und ihrem Freund, dem Kröterich (Hans Schenker), der auf Abwegen wandelt und zur Vernunft gebracht werden muss. Das Leben am Fluss beinhaltet nicht nur Idylle und Abenteuer, es wird auch angetrieben von der Sehnsucht nach der fernen Welt und den Errungenschaften der Technik.
Stalder hält sich im Grossen und Ganzen ans Original, Freiheiten nimmt er sich vor allem in der Gestaltung der Details heraus und in der sprachlichen Umsetzung. So etwa geben die Tiere immer wieder träfe Sätze zum Besten. “Mi Grossvatter het gseit, eigentli sig es Wort wo eigentli nüt sägi”, meint Nik einmal. Und “Es Picknick isch meh als es Zvieri” könnte glatt als Sentenz des Jahres durchgehen. Auch Zeitkritik hat in dieser Version Platz: “Ich ha gmeint, alli Dachs heisset Dominik”, wirft der Maulwurf einmal ein – “Und alli Pinguine Pingu. Mängisch macht das Donnersfärnseh scho chli dumm”, entgegnet darauf die Wasserratte gar nicht maulfaul. Womit auch gesagt ist, dass Stalder vor Aktualisierungen nicht zurückschreckt. Dass er allerdings den Automobil versessenen Herr Chrott nach Monza und Monaco fahren lassen will (zu den berühmten Formel-1-Stätten) und ihn am Schluss mit der Aviatik eine neue Leidenschaft ins Auge fassen lässt, mag nicht richtig überzeugen. Grahames Text wirkt noch so unverstaubt, dass er dieses Aufpeppen mit Modernität gar nicht nötig hat.
Ueli Jäggi mimt den Erzähler mit fast schon gotthelfschem Einschlag, wenn es etwa heisst: “Und de isch dr Winter ufsmal z grächtem cho – und blibe.” Und Kinder werden das Spiel mit schwierigen Fremdwörtern lieben, das auch in dieser DRS1-Produktion seinen Platz hat.
Ein Höhepunkt der Aufnahme ist sicher “Der Gesang über die Enten” der Wasserratte. Nik sitzt am Ufer und klimpert vor sich hin, ein bluesiger Groove begleitet seine Liedzeilen (die Musik stammt von der Genfer Band Dead Brothers). “Bürzel hoch und die Köpfe runter” heisst es bei Harry Rowohlt, Heinz Stalder lässt die Enten ihre Hecks präsentieren.
Die Aufnahme wirkt in der ersten Hälfte kompakter, gegen Schluss ein bisschen hastig und unfertig. Nichtsdestoweniger bietet diese Hörspielfassung beste Unterhaltung.
CHRISTINE TRESCH

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