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Doing It

Autor/in:
Melvin Burgess 
Übersetzung:
Aus dem Englischen von Andreas Steinhöfel. 
Verlag:
Carlsen 
Publiziert:
2004 
ISBN:
3-551-58131-2 
Seiten:
345 S. 
Schlagwörter:
Erwachsenwerden | Freundschaft | Sexualität 

Rezension

Es ist, als ob sich eine Tür aufgetan hätte, eine Tür, die in ein bislang unbekanntes Land führt. Drei befreundete Teenager, Dino, Jon und Ben, machen sich auf zu einer Entdeckungsreise, und das Land, das sie erkunden wollen, heisst Sexualität. Ihre Ausgangspunkte sind dabei ganz unterschiedlich: Dino, ein gut aussehender, beliebter Beau, hat nur ein Ziel vor Augen: Er will endlich seine Jungfräulichkeit verlieren, und zwar am liebsten (aber nicht unbedingt) mit seiner Freundin Jackie, die ihn immer wieder hinhält. Für Jon wäre dies ein Leichtes – aber Deborah ist etwas dicklich, und er hat Angst, zum Gespött seiner Kumpels zu werden. Ben schliesslich hat seit langem eine geheime Affäre mit seiner Lehrerin, die ihn zunehmend vereinnahmt und ihn so von den Erfahrungen seiner gleichaltrigen Freunde ausschliesst. Alle drei haben jedoch das gleiche Ziel: sich in diesem aufregend neuen, aber auch verwirrenden Neuland zurecht zu finden.
Burgess zeigt in seinem Roman Teenager auf der Schwelle zwischen plump-pubertären Schulhofspielchen und dem Märchenland der Sexualität, eine Schwelle, die gleichzeitig den Übergang von der Kindheit zum Jugendalter markiert. Die teils kruden, teils rührenden Erlebnisse seiner Figuren zeigen einerseits, dass Sexualität etwas grundsätzlich Schönes ist. Andererseits wird hier auch die negative Seite dieses neuen Lebensabschnitts deutlich: Sexualität ist auch kompliziert,
bedeutet Verantwortung, und die neu entdeckte Lust kann auch auf Abwege führen, die verletzen und die die dunklen Seiten des eigenen Charakters zutage fördern. So müssen die drei Freunde jeweils für sich auch Entscheidungen treffen, die sie bisher in die Welt der Erwachsenen verbannt hatten. Der häufige Wechsel zwischen den Erzählern und den Innen- und Aussenperspektiven der Figuren können die hier entstehenden Gewissenskonflikte, Gedankenprozesse und Wachstumsschmerzen eindrücklich darstellen, und da auch die weiblichen Figuren zu Wort kommen, ist “Doing It” auch nicht nur ein Buch für Männer und solche, die es werden wollen.
Vielmehr ist Melvin Burgess’ Buch für Teenager ungefähr das, was Nick Hornbys “High Fidelity” für die Fraktion der Dreissigjährigen ist: eine packende Geschichte über ein paar Leute irgendwo in England, die aber zugleich eine Geschichte ist über mich und hier und jetzt.
Dass es ein Happyend gibt, darf verraten werden. Und es ist gerade dieses positive Resümee, das das Buch so liebenswert macht. Mit den richtigen Freunden, so wird klar, steht man auch die herzzerfetzendsten Erfahrungenen durch, und aus dem neu entdeckten Land will keiner der drei angehenden Männer wieder fort. Es hat eben alles: Es ist “fleshy, filthy and holy”, wie es in der eingängigen Originalfassung heisst. Bei Burgess klingt Jugendsprache nicht nach “wiedergegebener Jugendsprache” – und Andreas Steinhöfel versteht es mit seiner Übersetzung, diese Qualität des Buches auch im Deutschen aufscheinen zu lassen.
Christian Kölzer

115 Einträge 56 - 65

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