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Echte Kerle

Autor/in:
Manuela Olten 
Übersetzung:
 
Verlag:
Bajazzo 
Publiziert:
2004 
ISBN:
3-907588-51-7 
Seiten:
28 S. 
Schlagwörter:
Geschlechterrollen | Geschwister | Angst 

Rezension

Echte Kerle haben es schwerer in der geschlechteremanzipierten Gesellschaft. Wenn sie sich dann auch noch als Angeber und heimliche Angsthasen herausstellen, werden sie schadenfroh ausgelacht. Diese Plattform bietet das witzige Debüt von Manuela Olten: Zwei kleine, aber grossmäulige Kerle machen sich abends im Bett über die Mädchen im Allgemeinen und über ihre Schwester im Besonderen lustig: Was das doch für voll langweilige, mit Puppen spielende und mit Teddys schlafende Angsthasen seien. Sie steigern sich auf dem Bett hopsend in ihre Überlegenheitsfantasie, bis der eine unbedacht das Wort „Gespenster“ benutzt. Da beginnt das Stottern, das Unter-die-Decke-Kriechen, das Mal-Pipi-Müssen, bis sie sich beide angstvoll zu den Teddys im Bett der friedlich schlafenden Schwester kuscheln.
Im grossen Format gross in Szene gesetzt – malerisch nach französischem Vorbild, mit den Buchseiten und dem Schriftlayout spielend – treibt die junge Deutsche Manuela Olten die Klischees auf die Spitze, um dann die Angst-Mut-Verhältnisse kommentarlos zurechtzurücken. Das pädagogisch-emanzipatorische Anliegen wird etwas gar holzhammerartig präsentiert, lustig ist es aber allemal.
BRUNO BLUME

Ein Buchtipp aus "weiterfliegen. Empfehlenswerte Kinder- und Jugendbücher", einem 2008 abgeschlossenen Projekt der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich und des SIKJM. Die rezensierten Bücher zeichnen ein differenziertes Geschlechterbild und zeigen Mädchen und Buben frei von Rollenklischees.

Rezension 2

Auch die echten Kerle von Manuela Olten nehmen den Mund manchmal ein bisschen zu voll: Zwei Jungen unterhalten sich vor dem Einschlafen über Mädchen. Die sind voll langweilig, ziehen ständig Puppen an und aus (was in köstlichen grossflächigen Bildern nachgestellt wird), pinkeln vor Angst ins Nachthemd und fürchten sich vor Gespenstern. Bis die aufgerissenen Münder der beiden Protagonisten auf einen Schlag zu kleinen Mündchen werden. Auf dem Schlussbild liegen die Jungs zusammen mit einer Schwester und vielen Kuscheltieren im Bett. Grossartig, wie durch die Beschränkung auf zwei angeberische Kerle so viel ausgesagt wird über Männlichkeitsvorstellungen und Geschlechterrealitäten. Diesem Bilderbuch gelingt es zu zeigen, wie verletzlich “echte Kerle” sind und dass sie sich fürchten dürfen und deshalb noch lange nicht zu Witzfiguren werden.
BEATRIX OCHSENBEIN

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