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Fast überall - Die Geschichte eines algerischen Jungen in Frankreich

Autor/in:
Azouz Begag 
Übersetzung:
Aus dem Französischen von Regina Keil. 
Verlag:
Nagel & Kimche 
Publiziert:
2000 
ISBN:
3-3120-0523-X 
Seiten:
190 S. 
Schlagwörter:
Erwachsenwerden | Jungen, sensible | Rassismus | Konflikt | Selbstfindung 

Rezension

In der Geschichte von Béni, dem algerischen Jungen in Frankreich, geht es um den ganz alltäglichen Rassismus. Sie wäre tieftraurig, wenn sie nicht Azouz Begag geschrieben hätte.
Eigentlich heisst er Ben Abdallah, aber er nennt sich Béni. Beim Namen Ben Abdallah weiss jeder gleich, dass er Ausländer ist, Béni dagegen könnte eine Abkürzung sein, etwa für «Bénédict», ein gut französischer Name. Béni will Schauspieler werden, denn dann könnte er so tun, als wäre er nicht der, der er in Wirklichkeit ist: Sohn algerischer Einwanderer aus einem Lyoner Bidonville. Béni gerät nicht nur zwischen Stuhl und Bank, weil er zwischen zwei gegensätzlichen Kulturen aufwächst und weil er seine Herkunft jeden Tag in irgendeiner Weise zu spüren bekommt, er ist mit 15 Jahren auch in einem Alter, in dem er eine Vorstellung über sein künftiges Leben entwickelt. Davon machen sich seine Eltern ein ganz anderes Bild: am liebsten sähen sie ihre Kinder in Algerien.
Begag zeigt das Aufeinanderprallen der Kulturen in Familienszenen, in Sitten und Gebräuchen, denen sich in unseren Breitengraden niemand entziehen kann, etwa Weihnachten. Und vor allem in Bénis Versuch, nach dem Umzug der Familie in ein anderes Viertel neue Freunde zu gewinnen. Seine Wahl verrät Anpassung an oder Protest gegen die Verhältnisse, und beim blonden und blauäugigen Mädchen, das er zu erobern hofft und das den sinnigen Namen France trägt, endet das Rendez-vous in einer Katastrophe. Denn der alltägliche Rassismus ist fast überall anzutreffen, auch vor dem Eingang einer gewöhnlichen Disco.
Seine Qualität bezieht der Roman, der sich stark an Begags eigene Geschichte anlehnt, durch die Darstellung der quicklebendigen Hauptfigur und durch eine Erzählweise, die dichten Ausdruck, Tempo und Lockerheit miteinander verbindet. Zwar spürt man Begags didaktische Absicht, aber dem Charme des unverwüstlichen Béni, der mit Selbstironie und Witz seine traurige Geschichte erzählt, kann man sich nicht entziehen.
CHRISTINE HOLLIGER

115 Einträge 56 - 65

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