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Die Farbe der Dinge

Autor/in:
Martin Panchaud 
Übersetzung:
Aus dem Französischen von Christoph Schuler 
Verlag:
Edition Moderne 
Publiziert:
2020 
ISBN:
978-3-03731-201-8 
Seiten:
224 
Schlagwörter:
Gewalt in der Familie | Mobbing | Computerspiele | Reise 

Rezension

Mag die Geschichte auch mit einem rosa Einhornkuchen beginnen, das Leben des 14-jährigen Londoners Simon Hope ist trist: Die Eltern streiten ständig, da der Vater das karge Geld bei Pferdewetten verspielt und den übergewichtigen Sohn verabscheut. Auch für die Nachbarsjungen ist dieser eine Zielscheibe. Doch weil sie ihn für eine «Geschäftsidee» brauchen, landet er bei einer Wahrsagerin. Gemäss ihrer Prophezeiung setzt Simon alles auf eine Karte bzw. die 1001.99 Pfund aus der Spardose des Vaters auf Aussenseiter-Rennpferd Black Caviar. Und Simon gewinnt! 14 Millionen Pfund. Der Haken dabei: Er ist zu jung, um den Gewinn einzulösen. Zugleich fällt die Mutter nach einem brutalen Angriff ins Koma, der Vater setzt sich ab. Um ihn zu finden, unternimmt Simon eine Art Roadtrip, der aber nie so richtig zum Abenteuer wird – dafür ist zu vieles zu verfahren. Im Showdown wirkt die Explosion eines gestrandeten Wals als abstruser «deus ex machina», der ein schlimmeres Ende für Simon verhindert.
Es ist nicht der filmreife Plot, der diese Graphic Novel spektakulär macht, sondern die Umsetzung, die die Informationsgrafik zum Gestaltungsprinzip erhebt: Die Figuren sind farbige Punkte, deren Bewegungen im Raum aus der Vogelperspektive auf Plänen dargestellt werden. Eingeschoben sind Grafiken, die etwa die Funktionsweise einer Pistole erläutern. Diese nüchtern scheinende Darstellung tut der Empathie für die Figuren kaum Abbruch; die Figurenpunkte erinnern nicht zuletzt an Game-Optiken, und der Dialog, ausserhalb der Bilder gesetzt, offenbart die Verwandtschaft des Mediums Comic mit
dem Dramentext. Wie einfallsreich und konsequent der Westschweizer Comiczeichner Panchaud seinem Gestaltungsprinzip folgt, ist beeindruckend und macht die Lektüre einzigartig.

Aleta-Amirée von Holzen
Buch&Maus 3/20, S. 37

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