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Hugo und Kauz

Autor/in:
Vera Eggermann 
Übersetzung:
 
Verlag:
Atlantis 
Publiziert:
2020 
ISBN:
978-3-7152-0765-0 
Seiten:
32 
Schlagwörter:
Väter und Söhne | Vögel | Väter, allein erziehende | Bücher 

Rezension

«Oben am Waldrand wohnt Hugo mit Papa und dem Hund Bernhard.» Der erste doppelseitige Aufschlag in Vera Eggermanns neustem Bilderbuch referiert auf die grossen Klassiker der Schweizer Kinderliteratur. Da steht ein Maiensäss unter grossen Tannen, ein bärtiger Mann schaut über das Bergpanorama gerade wie Alpöhi und ein kleiner Junge stellt sich den Betrachtenden so forsch frontal gegenüber wie bei Carigiet der Schellen-Ursli. Dass die Luzerner Illustratorin in diesem Bilderbuch mit intertextuellen Referenzen spielt, ist offensichtlich – und sie tut dies liebe- und humorvoll.
Auch wenn die Geschichte von Hugo, der einen jungen Kauz findet und daheim versteckt, an «Flurina und das Wildvöglein» angelehnt ist, wird es nie zu beschaulich. Denn der Illustratorin gelingt es, das Bergleben ins 21. Jahrhundert zu versetzen. Im Innern des Maiensäss haben Actionfiguren genauso ihren Platz wie Bauernmalerei. Und nachdem der tätowierte Vater eine umgestürzte Tanne zersägt hat, setzt er sich mit dem Laptop auf eine Stabelle – auf genau solch einen Holzstuhl also, auf dem auch Schellen-Ursli bei Kastanienribel den Eltern von seinen Abenteuern berichtet. Die Innenräume sind mit viel Liebe bis ins kleinste Detail gestaltet – Hugo liest dem Kauz unverkennbar aus Eggermanns «Buchstabenmonster» vor –, die Landschaftsbilder sind hingegen grosszügig flächig gemalt.
Hugo muss den Kauz am Ende zurückbringen, denn in den Tannen ist dieser glücklicher als in einer Stube. Was bleibt, ist eine von Verständnis und Geduld geprägte Vater-Sohn-Beziehung, die ihren Ausdruck in der abendlichen Vorleseszene findet. Wer genau hinschaut, erkennt auch die Gutenachtgeschichte: Es ist «Der Kiosk» von Anete Melece.

Elisabeth Eggenberger
Buch & Maus 2/20, S. 28

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