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sChly Mandli

Autor/in:
Hans P. Schaad 
Übersetzung:
 
Verlag:
die Brotsuppe 
Publiziert:
2019 
ISBN:
978-3-905689-69-3 
Seiten:
32 S. 
Schlagwörter:
Schweiz | Sprachspiele | schwarzer Humor 

Rezension

«Chlyne Maa, wo chunsch du her?» – «He, vo de blaue Berge!» – «Worum bisch dänn du so chly?» – «Bi nüd chli, han e Frau.» – Das Bild, das an dieser Stelle den Dialog begleitet, zeigt das Männchen neben einer erwachsenen Frau. Der fragende Bub quittiert mit «guet». Das Männchen kontert: «Gar nüd guet, si isch mer gstorbe.»
Der Grafiker und Zeichenlehrer Hans P. Schaad (1928–2002) hat beim Diogenes Verlag mehrere Bilderbücher veröffentlicht und langlebige Kinderbücher illustriert (z. B. Franz Caspars «Fridolin»). Das quadratische, grüne Bändchen «sChly Mandli», das erstmals 1969 erschien, ist typisch für Schaads raschen, cartoonhaften Zeichenstrich, den er hier mit leichtem Pinsel kolorierte. Inhaltlich entspringt die Geschichte einer kindlichen Logik, die Drastisches ad absurdum führt: Die Frau ist tot, der Gemüsegarten wird von den Hasen kahl gefressen. Also schiesst der Winzling diese über den Haufen und trifft dabei seine linke Hand. «Das isch jetzt au schaad», meint der Bub aus dem Off. «Gar nüd so schaad», sagt der Betroffene, «jetz bruuch i nu na äin Häntsche». Keck streckt das Männchen die rechte Hand mit rotem Fäustling in die Luft und lacht. Ein Plädoyer für ein ironisch-pragmatisches Wegstecken von Widrigkeiten?
So liest das kaum, wer brave Szenen sucht oder stur nach ‹political correctness› fragt. Wer jedoch bedenkt, wie Kinder Schockierendes benennen und damit spielen, um Grenzen auszuloten, der wird mitlachen. Als Beleg für ein ‹böses Kinderbuch nach 68› taugte schon die Erstaus- gabe nur bedingt: Der mündliche Text wurde vor 1926 aufgezeichnet und findet sich als Nr. 2647 in «Kinderlieder der deutschen Schweiz» der Volkskundlerin Gertrud Züricher. Aber natürlich machen die Bilder die Musik – kompromisslos und launig, verspielt und frech.

Hans ten Doornkaat
Buch&Maus 1/20, S. 28

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