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Drei Wege

Autor/in:
Julia Zejn 
Übersetzung:
 
Verlag:
avant 
Publiziert:
2018 
ISBN:
978-3-945034-99-6 
Seiten:
184 
Schlagwörter:
Frauen in anderen Kulturen | Zeitgeschichte | Frauen in der Geschichte 

Rezension

Lebensnah gibt die Graphic Novel «Drei Wege» von Julia Zejn Einblick in die Alltagsräume dreier junger Protagonistinnen, die zu unterschiedlichen Zeiten in Deutschland leb(t)en. Dabei erkundet Zejn die Frage, welchen Erwartungen junge Frauen in unterschiedlichen ‹Gesellschaften› gerecht werden soll(t)en. Während sich Ida ihrem vom Ersten Weltkrieg geprägten Alltag als Dienstmädchen fügt, verliebt sich Marlies 1968 in den kämpferischen Studenten Wolfgang. Die planlose Selin dagegen wandert nach ihrem Abitur irgendwo im Jahr 2018 herum – wo sie steht und wohin sie will, weiss sie selber am wenigsten.
Die Erlebnisse der drei Protagonistinnen sind in einer simplen und doch klug durchdachten visuellen Komposition in expressiven Bleistiftstrichen und zart-blas­sen Farben verpackt. Das dreifarbige Konzept – jede Erzählebene ist in einem anderen Farbton gehalten – ordnet die unterschiedlichen Handlungsstränge. Zejns unaufgeregte und bildlastige Inszenierung wirkt kraftvoll und ausdrucksstark. Dabei lädt die Graphic Novel zu einer – wenn auch nicht allzu kritischen – Reflexion der heutigen Gesellschaft ein.
«Du lebst in einer Zeit, in der du auch als Frau alles machen darfst...», lautet die Behauptung eines Freundes von Selin. Doch ob die Gesellschaft bereits offen für ein selbstbestimmtes Leben junger Frauen ist, bleibt auch heute noch fraglich. Selin jedenfalls nutzt die Möglichkeiten unserer Gegenwart und wagt den Schritt nach vorne. Es bleibt also nur die Frage, ob zukünftige Gesellschaften die gleiche Richtung einschlagen und junge Frauen mu­tig dabei unterstützen, den eigenen Weg zu finden und zu gehen.

Nora Jäggi
Buch&Maus 2/19, S. 37

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