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Hanna und Leo. Von einem anderen Stern

Autor/in:
Brigitte Schär 
Übersetzung:
 
Verlag:
Baeschlin 
Publiziert:
2018 
ISBN:
978-3-85546-336-7- 
Seiten:
125 
Schlagwörter:
Freundschaft | Verliebtsein | Hochbegabung 

Baeschlin: von Zombies und Supergirls

Das Programm der Baeschlin-Verlagsleiterin Gaby Ferndriger setzt ganz auf Schweizer Produktion. In den letzten Jahren ist eine illustre und auch recht bunte Schar zusammengekommen: Dana Grigorcea, die mit ihren Büchern für Erwachsene bekannt wurde, im Team mit Anna Luchs; Doris Lecher, Jürg Obrist, Linard Bardill – und jetzt Brigitte Schär, die Grande Dame des fantastisch-verrückten Erzählens, Daniele Meocci mit seinem zweiten Kinderbuch «Maunzer. Klara, Wolle und der magische Kater», sowie der als Sänger und Texter der Bands Baby Jail und Schtärneföifi bekannte Boni Koller.
Die – zumindest aus KritikerInnensicht – interessantesten Bücher aus dem Baeschlin-Verlag sind die Bilderbücher, die in enger Zusammenarbeit zwischen der Autorin Dana Grigorcea und der Illustratorin Anna Luchs entstanden sind: «Mond aus!» (2016) und, diesen Herbst erschienen, «Einmal Haare schneiden bitte». Die beiden loten die Vielfalt aller möglichen Frisuren im Zusammenspiel von Bild und Sprache aus und laden die Kinder zum Mitfantasieren ein – wie bunt wäre doch die Welt, wenn jeder eine andere Frisur hätte! Nur der wuschlige Pudel Bobby will, ganz im Gegensatz zum punkigen Jan (einem Hahn), und zu Rasta Ross mit seinen Dreadlocks, einfach nicht zum Friseur (LockenträgerInnen können es ihm nicht verdenken). In der Nacht vor dem Termin hat er furchtbare Alpträume: er muss mit einer misslungenen Frisur herumlaufen. So rührt Bobbys Geschichte an kindliche Ängs te, humorvoll und sanft.
Computer- und Sprachspiele im erzählenden Kinderbuch
Im erzählenden Kinderbuch-Programm setzt Gaby Ferndriger auf spannende Unterhaltung mit Tiefgang. Die neuen Romane von Schär, Meocci und Koller erzählen ganz unterschiedliche Geschichten rund um Freundschaft, doch eins haben sie gemeinsam: Alle sind sie Genreliteratur im besten Sinn. Das heisst, sie lesen sich flott und arbeiten mit bekannten Mustern, die auch weniger lese erfahrenen Kindern das Eintauchen erleichtern.
Brigitte Schär spielt vordergründig mit dem Superhelden-Genre. Eigentlich geht es um Freundschaft, sogar um eine erste Liebe. Sie erzählt von zwei Kindern, die es nicht leicht haben, gerade weil ihnen das Lernen so leicht fällt. Hanna und Leo sind hochbegabt und begegnen sich in einer therapeuti schen Praxis. Einfühlsam erzählt Schär, wie sie sich einander annähern. Hanna mag Leo sehr, doch sie versteht nicht, warum er den ganzen Tag am Computer spielt und selbst Games programmiert. Zum Glück hat sie Fantasie, und kann sich als Supergirl in Superboys Hirnwindungen hineindenken.
Einen grossen Lesespass hält Boni Kollers «Sommer der Zombies» bereit. Sein Romanerstling greift ein literarisch viel zu selten beackertes Thema auf: das Pfadilager. Eigentlich wollte Helen, die sich von ihren frisch geschiedenen Eltern abgeschoben fühlt, gar nicht mit. Doch dann erlebt sie ein Abenteuer, bei dem sie sich richtig bewähren muss. Und sie findet eine Freundin, Pixie. Es gelingt Koller, einen Ton anzuschlagen, der mit Tempo und ohne Firlefanz erzählt – und wie nebenbei spielt er in bester Schtärneföifi-Manier mit Sprache. Allein aus den Pfadinamen der Kinder – Hydra, Rambo, Shakira – die in drei Gruppen eingeteilt sind – Monster, Werwölfe, Zombies – ergeben sich die verrücktesten Sätze, die für Eingeweihte aber ganz vernünftig klingen.

Christine Lötscher
Buch&Maus 3/18, S. 25

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