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Mausmeer

Autor/in:
Tamara Bach 
Übersetzung:
 
Verlag:
Carlsen 
Publiziert:
2018 
ISBN:
978-3-551-58380-2 
Seiten:
144 
Schlagwörter:
Geschwister | Erwachsenwerden | Freiheit | Erinnerung 

Rezension

«Also können wir einfach bleiben dieses Wochenende? Du und ich? Wie damals? Ein allerletztes Mal?», so dringlich bittet Ben seine grosse Schwester Anni, nachdem er sie schlafend von seiner Geburtstagsparty in Opas leerstehendes Häuschen am Arsch der Welt verschleppt hat. Hier haben die beiden endlose Kindersommer verbracht, «es gab immer kleine Tiere. Und irgendwo war ein Schwimmbad». Heile Welt mit Patina also, doch ob sich deren Zauber reanimieren lässt?
Nach und nach erfährt man in Tamara Bachs schmalem Jugendroman, dass Ben dringend eine Auszeit mit schwesterlicher Unterstützung braucht: Heimlich hat er kurz vor dem Abi die Schule geschmissen und keinen Plan wie es nun weitergehen soll. Erzählt wird von diesen matschgrauen Osterfeiertagen im Nirgendwo erst von der vernünftigen Anni, dann von Ben, dann von beiden abwechselnd. Dabei passiert bis über die Hälfte des Buches eigentlich nicht viel – stattdessen plätschert die Geschichte mit sparsamen Dialogen und viel Assoziationsfluss da­hin. Das wäre extrem dröge, doch Tamara Bach ist eine Sprachkünstlerin: Präzise, bilder­mächtig und lakonisch-poetisch entwickelt sie hier ein Kammerspiel mitten aus dem Geschwisterdickicht, zwischen Kindheit und Erwachsen­werden, inklusive fest zementierten Familienrollen, Weltschmerz und Sehn­sucht nach Freiheit. Erst als der Autoschlüssel unwiederbringlich im schlammigen Teich versunken ist, nimmt die Sache etwas Fahrt auf, wobei einige Statisten der kauzigen Dorfbevölkerung überraschen­de Impulse setzen.
Eine schwache Handlungsebene mit dramaturgischen Durchhängern – trotz sprachlicher Finesse und mikroskopisch genauen Beobachtungen ist dieser neue Roman der vielfach ausgezeichneten Autorin leider ziemlich langweilig.

Marion Klötzer
Buch&Maus 2/18, S.36

115 Einträge 56 - 65

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