Home Schweizerisches Institut für Kinder- und Jugendmedien Logo SIKJM Schweizerisches Institut für Kinder und Jugendmedien

Die Nervensäge, meine Mutter, Sir Tiffy, der Nerd & ich

Autor/in:
Michael Gerard Bauer 
Übersetzung:
Aus dem Englischen von Ute Mihr. 
Verlag:
Hanser 
Publiziert:
2018 
ISBN:
978-3-446-25862-4 
Seiten:
288 
Schlagwörter:
Erwachsenwerden | Humor | Patchworkfamilie | Eltern und Tochter 

Rezension

«Die Nervensäge, meine Mutter, Sir Tiffy, der Nerd & ich» – der Titel des neuen Romans von Michael Gerard Bauer ist bereits eine Auslegeordnung der seltsamen Konstellation von Figuren, von denen die Ich-Erzählerin Maggie berichten wird. Doch bis daraus zwei Liebespaare und eine Patchworkfamilie mit Kater werden können, toben einige Stürme durch das Haus, das Maggie und ihre Mutter wie eine Festung bewohnen. Denn Maggie, ein zorniger Teenager mit geschliffenem Mundwerk, ist nicht an Konstellationen interessiert; und schon gar nicht, was ihre Mutter angeht. Ihr ganzer Hass ergiesst sich deshalb über den zu Witzen aufgelegten Herrn, der mit ihrer Mutter ausgeht: die Nervensäge. Doch wie es sich für Nervensägen gehört, lässt der sich nicht so leicht abschrecken und entwickelt sogar einen pädagogischen Furor. Dieser gipfelt darin, dass er Maggie einen uralten einäugigen Kater mitbringt, um den sie sich kümmern soll: Sir Tiffy.
Ein bewährtes Rezept, um in Romanen unterschiedliche Figuren und ihre Sicht der Dinge zur Geltung zu bringen, besteht im Perspektivenwechsel. Doch Bauer tut genau das Gegenteil. Er lässt Maggie schimpfen und toben und alles aus der beschränkten Sicht eines selbstbezogenen Teenagers betrachten. Zu Beginn ist sie manchmal so ungerecht, dass man als Leserin Mitleid mit Mutter und Nervensäge bekommt. Vor allem ist man froh, dass es Schwester Yoda gibt, Maggies Englischlehrerin. Sie zwingt Maggie, die sich als Schreiberin für extrem begabt hält, so lange an ihren Texten zu feilen, bis jedes Wort da steht, wo es hingehört. So lernt das Mädchen, den Schmerz und die Wut in Sprachwitz und Selbstironie zu verpacken – nicht nur im Text, sondern, langsam aber sicher, auch im Leben.

Christine Lötscher
Buch&Maus 1/18, S. 33

131 Einträge 36 - 45

Sortiert nach: