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Lanz

Autor/in:
Flurin Jecker 
Übersetzung:
 
Verlag:
Nagel & Kimche 
Publiziert:
2017 
ISBN:
978-3-312-01022-6 
Seiten:
128 
Schlagwörter:
Schweiz | Coming-of-Age | Ablösung 

Rezension

Lanz steht dazwischen. Zwischen dem Verlangen auf- und davonzugehen, ins Nachbardorf Bottigen und noch weiter, zu den Verwandten ins Bündnerland, und dem Wunsch wieder nach Hause zurückzukehren. «Ich stand dann im Gleichgewicht zwischen dem Anschiss, wieder runter-, und dem Anschiss raufzugehen.» Und Lanz steht – wie so mancher Vierzehnjähriger – zwischen dem Drang, erwachsen zu sein, und der Angst vor dem Verlust der Kindheit. Davon erzählt er frei von der Leber weg: «Weil ich gar nicht unbedingt ficken möchte. Also schon, irgendwie aber eigentlich hätte ich lieber, wenn ich mit einer schreiben könnte und sie zu mir kommen würde, manchmal nach der Schule oder so...» Oder: «An Ostern bekamen Mam und ich dann noch einmal kurz Streit. Weil es mich anschiss, dass sie mir kein Osternestchen gemacht hatte, [...] und sie meinte, dass ich ihr das doch einfach hätte sagen sollen, was ja dann aber keine Überraschung mehr gewesen wäre. Aber egal.»
Den Alltag Schweizer Jugendlichen finden wir in der Jugendliteratur selten. Umso schöner hier von Lanz zu lesen, der über Mittag bei der Familie vom «Kolleg» essen geht, einen Abend pro Woche beim gelangweilten Vater verbringt, und den Blogkurs in der Projektwoche ja eigentlich nur «angekreuzelt» hat, weil Lynn auch dort sei. Die ist dann allerdings am ersten Tag gar nicht da. Den Blog schreibt Lanz trotzdem, zu unserem Glück.
Mit Lanz hat der junge Autor Flurin Jecker einen der glaubwürdigsten Protagonisten der neueren Schweizer Jugendliteratur geschaffen. Die mit Helve­tismen durchsetzte Kunstsprache, in der Lanz seinen Blog schreibt, ist nie anbiedernd, sondern gerade dadurch authentisch, dass sie nicht eine Jugendsprache schlecht nachahmt.
Ein Coming-of-Age-Roman zwischen Berner Agglomeration und Bündner Bergtälern, wie er bisher gefehlt hat!

Elisabeth Eggenberger
Buch&Maus 2/17, S. 36

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