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Dark Noise

Autor/in:
Margit Ruile 
Übersetzung:
 
Verlag:
Loewe 
Publiziert:
2017 
ISBN:
978-3-7855-8446-0- 
Seiten:
288 
Schlagwörter:
Computer | Kriminalität | Überwachungsstaat 

Rezension

Zafer arbeitet als Bildretuschierer für Filmproduktionen. Er lässt Produktlogos verschwinden oder ersetzt sie durch erfundene Symbole. Gleichzeitig baut er kleine selbstkreierte Monster in einzelne Szenen ein, die die ZuschauerInnen kaum bemerken. Eines Tages erhält er einen Auftrag des ihm unbekannten Laurin: Zafer soll in einer Videoaufzeichnung einer Tief­garage das Nummernschild eines Autos unkenntlich machen. Zafer sagt zu und erhält neue Aufträge: Aus einem Video soll er einen Mann löschen, in ein anderes einen hineinkopieren. Zafer macht trotz Bedenken mit – und findet sich verstrickt in ein Netz aus Lügen und Betrügereien. Dahinter steht ein Konzern, der Überwachungskameras zur Sicherheit der BürgerInnen in den Strassen installiert hat…
Ruiles Roman ist spannend – sehr spannend. Das liegt an der gewählten
The­ma­­tik und an der Konstruktion der Handlung, in der die Erzählinstanz eine massgebliche Rolle spielt und Überra­schendes bereithält. Erst berichtet sie von aussen über Zafer und bringt sich immer wieder kommentierend ins Geschehen ein, was eine Distanz manifestiert – nur um diese nach einem knappen Drittel einzureissen: Die Erzählinstanz selbst ist in das Geschehen verwickelt!
Die Autorin ist nach Studium und Lehrveranstaltungen an der Münchener Filmhochschule zum Schreiben gekommen. Diese filmische Vergangenheit ist ihrem Stil anzumerken: Visuell und plastisch entsteht das Geschehen vor dem inneren Auge der LeserInnen. Die Geschichte ist komplex konstruiert und folgt dennoch dem traditionellen Muster David gegen Goliath. Verwoben mit dem aktuellen Thema der omnipräsenten Überwachung und der Möglichkeit von Missbrauch und Verfälschung dieser Aufnahmen gesellt sich Ruiles Roman zu anderen Werken, die virtuelle Realitäten in den Mittelpunkt stellen, etwa Ursula Poznanskis «Layers» (Loewe 2015). Ein intelligenter Roman – nicht nur für jugendliche LeserInnen!

Sabine Planka
Buch&Maus 1/17, S. 36

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