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Marsmädchen

Autor/in:
Tamara Bach 
Übersetzung:
 
Verlag:
Oetinger 
Publiziert:
2003 
ISBN:
3-7891-3152-0 
Seiten:
286 S. 
Schlagwörter:
Erwachsenwerden | Freundschaft | Liebe, erste | Pubertät 

Rezension

Rauchen auf der Schultoilette, am Wochenende auf irgendeine Fete oder in die Diskothek in der Nachbarstadt. Die Mutter nervt, die Schule langweilt, die Nachmittage zu Hause ziehen sich wie Kaugummi. “Fünfzehn ist ein komisches Alter. Fünfzehn ist so … gar nichts. (…) so mittendrin”, findet Miriam und träumt davon, einmal so zu sein wie eine aus der Zwölften: “So. Schön. Aber nicht, weil ich die richtigen Klamotten anhabe. Oder Make-up. Sondern einfach, weil ich schön bin.”
Tamara Bach weiss noch genau, wie es sich anfühlt, 15 zu sein. Ihrem beeindruckenden Jugendbuch-Debüt hat sie einige Zeilen aus einem Lied der Sängerin Björk vorangestellt: “This small town hasn’t got room for my big feelings.” Immer wieder nutzt die junge Autorin Songzeilen, um die Gefühls- und Seelenlage ihrer Ich-Erzählerin auszuleuchten, ihre emotionale Einsamkeit, den Wunsch, der Enge der Kleinstadt, in der sie aufwächst, zu entfliehen: “Es ist immer dasselbe: zu gleich, zu klein.”
Bis Laura auftaucht. Miriam ist von dem selbstbewussten, mal sehr spontanen, dann wieder rätselhaft verschlossenen Mädchen fasziniert, das mit der Mutter, die häufig auf Reisen ist, aus Köln zugezogen ist. Die Blicke, mit denen die neue Mitschülerin sie zuweilen taxiert, nehmen sie gefangen, verunsichern sie aber auch.
“Marsmädchen” – das Manuskript wurde 2002 mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet – ist Tamara Bachs erster Roman für Jugendliche. Es ist die Geschichte einer ersten Liebe, die die 27-jährige Wahlberlinerin in einer Sprache erzählt, die Gedanken und Lebensgefühl heutiger Jugendlicher treffend wiedergibt, ohne aufgesetzt zu wirken: “Laura und ich nebeneinander auf dem Weg in die Klasse. Schritt, einatmen, Schrittschritt, ausatmen, Rhythmus, bin ich zu schnell? Etwas sagen. Schweigen. Atmen. Vielleicht doch etwas sagen? (…) Schwierig.” Keine Liebe auf den ersten Blick. Eher totale Verwirrung. Eine heimliche, letztlich unerfüllte Liebe, die vieles in Frage stellt, Raum für Neues schafft. Dass es ein Mädchen ist, in das Miriam sich verliebt, ist dabei – fast – sekundär. Zumal Laura nach einer ähnlichen Erfahrung in ihrer früheren Schule der Mut fehlt, ihre Gefühle offen zu zeigen.
“Girl from Mars” heisst das Lied, zu dem Laura zum Abschluss eines herrlich verrückten Discoabends tanzt. Und Miriam fühlt sich wie auf einem anderen Planeten. Ein Spaziergang. Ein Joint. Ein “kleiner Kuss” – und nichts ist mehr, wie es einmal war. “Es gab mal Lösungen, es war alles mal einfach und hatte ein System oder so, als ich klein war vielleicht, und plötzlich weiss ich nichts mehr, dreht sich in mir alles wie noch nie vorher.”
So plötzlich Laura aufgetaucht ist, so schnell verschwindet sie nach der ersten (und letzten) gemeinsamen Nacht auch wieder aus Miriams Leben. “Das mit meiner Mutter und mir hat einfach nicht mehr geklappt”, schreibt sie, nachdem sie ohne Lebewohl zu ihrem Vater zurück nach Köln gezogen ist. “Ich wollte dir das alles (…) sagen, aber das ging einfach nicht. Es ging einfach nicht.”
Ein besonderes Buch. Emotional. Direkt. Mutig. Einfach anders.
ANDREA DUPHORN

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