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Dazwischen: Ich

Autor/in:
Julya Rabinowich 
Übersetzung:
 
Verlag:
Hanser 
Publiziert:
2016 
ISBN:
978-3-446-25306-3- 
Seiten:
256 
Schlagwörter:
Väter und Töchter | Interkulturalität | Mädchen in anderen Kulturen | Flucht | Flüchtlinge 

Rezension

Wir wissen nicht, aus welchem Land Madina, die 15-jährige Ich-Erzählerin von Julya Rabinowichs eindrücklichem Ju­gend­­roman «Dazwischen: Ich» kommt, und wir wissen nicht, in welchem euro­päischen Staat sie gelandet ist – und das ist gut so. Denn Rabinowich, die selbst als Siebenjährige aus der Sowjetunion nach Wien «umgetopft» wurde, wie sie in
Interviews sagt, und die als Dolmetscherin mit Flüchtlingen arbeitet, geht es weniger um konkrete politische und kulturelle Zusammenhänge, sondern um die exis­tentielle Erfahrung des Dazwischenseins, die zurzeit 20 Millionen Kinder und Jugendlichen auf der ganzen Welt teilen.
Die Welt von Madinas Eltern ist notge­drun­gen auf das Leben im Flücht­lingsheim beschränkt; die alltäglichen Konflikte rund um das Zusammenleben auf engem Raum und das endlose Warten auf die Bearbeitung ihres Asylantrags verschlingen ihre gesamte Energie. Madina dagegen geht zur Schule, findet eine beste Freundin, verliebt sich und lernt, sich in der neuen Umgebung zu behaupten. Sie wird zur Vermittlerin zwischen den Kulturen und übernimmt Verantwortung für ihre Eltern und ihren kleinen Bruder. Das ist, wie der Roman auf differenzierte Weise deutlich macht, eine Belastung, aber auch eine Quelle von Energie, um ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Rabinowich gibt ihrer Figur eine überzeugende Sprache, die zugleich suchend ist und hart, manchmal regelrecht abgehackt – man spürt das Ringen Madinas um ein Stück Boden unter den Füssen. Im
Verlauf des Romans findet sie eine Sprechposition im Dazwischen, die ihr erlaubt, sich an die traumatischen Erlebnisse im Krieg zu erinnern und gleichzeitig nach vorne zu schauen.

Christine Lötscher
Buch&Maus 3/16, S. 35

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