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Au weia

Autor/in:
Vera Eggermann 
Übersetzung:
 
Verlag:
Bajazzo 
Publiziert:
2003 
ISBN:
3-907588-39-8 
Seiten:
unpag. 
Schlagwörter:
Langezeit | Neugier | Neugier | Erziehung | Psychologie 

Rezension

Au weia – der unschuldige Blick Lenas, ihr erhobener Mahnfinger und das kleine Teufelchen auf ihrer Schulter verraten bereits auf dem Umschlagbild, dass hier eine vergnügliche, mehrdeutige Geschichte erzählt wird.
Lena verspricht der Tante, während deren Abwesenheit keinen Unsinn anzustellen. Aber die grosse Schere inspiriert halt doch zu einem flotten Lied und schneidet erst in die Serviette, dann auch ins Tischtuch ein Loch. Da nützt es dem gestreiften Kater gar nichts, böse zu schauen. Immer mehr Teufelchen tauchen auf und möchten gar mit dem Beil den Tisch entzwei hauen. Das allerdings gelingt nicht. Au weia – jetzt fühlt sich Lena klein und reuig und zusammen mit der Tante versucht sie den Schaden so gut als möglich zu beheben. – Grad extra etwas Verbotenes ausprobieren, besonders wenn man allein ist und sich langweilt, sich im Spiel total vergessen bis der Schaden zu gross ist – welches Kind kennt das nicht! In „Au weia“ Buch wird dieser Teufelskreis humorvoll und überzeichnet dargestellt. Das Geschehen ist gut nachvollziehbar, dem Alltag entnommen. Dass es (hoffentlich) nicht zu sehr zur Nachahmung anregt, ist wohl den fröhlichen, farbigen Illustrationen zu verdanken. Diese lassen typische Details aus einer (kinderlosen) Tantenwohnung erkennen und unterwandern mit überspitzten Grössenverhältnissen und Perspektiven sowie durch ausdrucksstarke Gestik und Mimik Lenas Missetat. Ausserdem stecken sie voller versteckter Hinweise auf die kindliche Gemütslage: die zahlenmässige Vermehrung der winzigen Teufelchen, deren Jubel bei Lenas Aktionen, die überstürzte Flucht bei ihrem „Vernünftigwerden“ zum Beispiel. Und der Kater, der sich zwar misstrauisch abwendet, gleichwohl interessiert dem Geschehen zuschaut und zum Schluss wohlig auf dem Schoss der Tante schläft, bietet sich als Gegenpol zu Lenas verzücktem Blick förmlich als Personifizierung ihres schlechten Gewissens an. Au weia, solch tiefenpsychologische Deutungen dürfen doch beim Betrachten mit Kindern gar nicht aufgedeckt werden! Dies ist auch überhaupt nicht nötig, denn die Details bieten sich auch so für genaue BeobachterInnen als Grundlage für gemeinsame Gespräche an.
BEATRIX OCHSENBEIN

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