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Love Alice

Autor/in:
Nataly Savina 
Übersetzung:
 
Verlag:
Beltz & Gelberg 
Publiziert:
2013 
ISBN:
3-407-81141-1 
Seiten:
157 S. 
Schlagwörter:
Liebe, erste | Mütter und Töchter | Mädchenfreundschaft | Verlust 

Rezension

Die Geschichte beginnt damit, dass Alice, schlüssellos, vor der Haustür war­tet und vor ihren Augen eine Taube überfahren wird. Jahre später sitzt die 14-jährige Ich-Er­zählerin einmal mehr mit ihr­­er Mutter im Flugzeug und erinnert sich an die Tau­benschar, die sich um die tote Ge­nossin geschart hatte, ehe sie geschlos­­sen weiterflog. Alice selbst mag am Fliegen nur die Luftlöcher. Ihre Mutter, die Opernsängerin Hannah Blumberg, die «alle Ge­fühle unter dem Scheinwerfer­licht» verbraucht, hat kaum Nerven für die puber­tierende Toch­ter, deren einzige Freun­din und Zugvogel-Schwester sie ist. Stattdes­sen trägt sie ihr auf, Paul Celans Ge­dichte zu lesen und darin die Wortbilder zu sehen.
Und so lebt Alice ein recht einsames Leben, bis sie am neuen Spielort der Mutter die gleichaltrige Cherry kennenlernt. Und zum ersten Mal eine innige, wilde Beziehung aufbaut: Eine Beziehung, die zwischen Freundschaft, Hassliebe und sexuellem Verlangen oszilliert, sich mühsam gegen die (zu) enge Mutter-Tochter-Bindung behaupten muss – bis sie in der Katastrophe endet. Das aber geschieht nicht, ehe Cherry Alice das Fliegen beige­bracht hat. Gemeinsam rennen die beiden durch den Wald, legen sich auf die Gleise und kreischen die Bäuche der über sie hinwegrumpelnden Züge an. Durchleben all die Gefühle, über die Alice mit ihrer Mutter nie reden kann: Lust, Liebe, Erregung, Trauer, Todesangst.
Nataly Savina, die für ihr Manuskript mit dem Peter-Härtling-Preis ausge­zeich­net wurde, macht diese Gefühle in der Erzählstimme der verschro­be­nen, altklu­gen, lebens­hung­rigen Alice so plastisch, dass wir am Ende mit ihr die Wortbilder in Paul Celans Gedicht ertasten. Am Abschiedsgrat ste­hen. Und dann fliegen.
Manuela Kalbermatten,
Buch&Maus 2/2013, S. 30

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