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Der Raub des Bücherschatzes

Autor/in:
Katja Behrens 
Übersetzung:
 
Verlag:
Hanser 
Publiziert:
2012 
ISBN:
978-3-446-23887-9- 
Seiten:
208 S. 
Schlagwörter:
historischer Roman | Religion | Vampire 

Rezension

Jacobe hat Glück im Unglück: Ihre ganze Familie wurde von der Pest dahingerafft, sie aber wächst beim Bibliotheksdiener der berühmten Palatina in Heidelberg auf und darf Lesen und Schreiben lernen, Latein und Griechisch. Bis Graf Tilly, Heerführer der katholischen Liga, 1622 die protestantische Stadt erobert: Jacobe wird vergewaltigt. Von diesem Tag an verkleidet sie sich als Junge, um Arbeit zu finden. Ihre Bildung öffnet ihr viele Türen, und so dient sie schon bald dem jesuitischen Gelehrten Leone Allacci, der die wertvolle Bibliothek im Auftrag des Papstes nach Rom schaffen soll. Mit einer Karawane von 200 Maul­tieren überquerte der historisch verbürgte Allacci die Alpen. Seine Abhandlung «De graecorum hodie quorundam opina­tio­ni­bus» gehört zu den ersten Studien über Vampire und Vampirismus überhaupt.
Katja Behrens, bekannt für ihre Jugend­bü­cher, die sich mit jüdischer Geschichte auseinandersetzen, stellt Allacci ins Zentrum ihres neuen Romans, und erzählt die Geschichte des Bücher­trans­ports als ge­nau und kompe­tent recher­chier­ten historischen Roman. Vampire, Zau­berer und Kräuter­hexen galten in der frühen Neuzeit höchstens gelehrten Protestanten als fan­tastische Figuren; für Jacobe und Allaci sind Vampir­bisse so real wie Stigmata und die Wun­der­kraft der Reli­quien.
«Der Raub des Bücherschatzes» ist ein ebenso lehrreiches wie religionskritisches Buch. Dass es manchmal, wenn es um Jacobes Liebes- und Lebensträume geht, etwas rührselig anmutet und dass die vielen Shakespeare-Zitate oft mehr Pathos verströmen als zum Verständnis der frühneuzeitlichen Geistesgeschichte bei­zutragen, verzeiht man dem packenden Roman mit etwas Zähneknirschen.
Christine Lötscher, Buch & Maus Heft 1/2012, S. 34

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