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Prinsengracht 263. Die bewegende Geschichte des Jungen, der Anne Frank liebte.

Autor/in:
Sharon Dogar 
Übersetzung:
Aus dem Englischen von Elisabeth Spang. 
Verlag:
Thienemann 
Publiziert:
2011 
ISBN:
3-522-20124-8- 
Seiten:
365 S. 
Schlagwörter:
Holocaust | Jugend | Erinnerung 

Rezension

«Das Tagebuch der Anne Frank» hat Ge­nerationen bewegt. Nun erzählt die bri­ti­sche Autorin Sharon Dogar die Geschi­chte um zwei jüdische Familien und einen Zah­narzt, die sich von Juli 1942 bis August 1944 im Anbau eines Hinterhauses vor den Natio­nal­sozialisten ver­steckt halten, aus an­derer Perspektive: der des 15-jährigen Pe­ter van Pels (in Anne Franks Tage­buch heisst die Familie van Daan).
Die Geschichte beginnt im Mai 1945: Im Konzentrationslager Mauthausen ringt ein junger Mann mit dem Tod. Zwischen Wachen und Sterben lässt der gerade einmal 18-jährige Peter die jüngste Vergan­genheit Revue passieren: Zwei Jahre und einen Monat hat er mit seinen Eltern, Anne Frank und ihrer Familie auf engstem Raum gelebt. Dann wurden sie verraten und von der Gestapo abgeholt. «Prin­sen­gracht 263» erzählt also die sel­be Geschich­te wie Annes Tagebuch – und doch eine andere, denn die Anne aus Pe­ters Perspektive unter­schei­det sich vom Mädchen, das wir aus dem Tagebuch ken­nen. Für Peter ist sie zu Beginn spöt­tisch und überheblich. Als er sich in sie verliebt, erscheint sie einfühlsam und wissbegie­rig: «Wir verbringen all unsere freie Zeit auf dem Dachboden. Hal­ten einander im Arm. Reden und reden und reden. Ich wuss­te gar nicht, dass ich so viele Worte in mir habe. So viele Gedan­ken. Anne ist erstaunlich.»
Am meisten beeindruckt Dogars Buch jedoch in den kursiv gesetzten Passagen, die die Erzählung im Tagebuchstil unterbrechen. In ihnen schildert der sterbende Peter, was ihm und den übrigen Untergetauchten nach der Entdeckung wider­fah­ren ist, die menschenverachtenden Trans­porte, das tägliche Grauen in den Todeslagern selbst. «Alle, die dort waren sind tot – auch wenn sie noch herumlaufen…» «Prinsengracht 263» ist ein tief bewe­gen­des Buch gegen das Vergessen.
Andrea Duphorn
Buch & Maus 4/2011, S. 29

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