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Von dem Fischer und seiner Frau

Autor/in:
Katja Gehrmann (Illustration) | Philipp Otto Runge (Originaltext) | Uwe Johnson 
Übersetzung:
 
Verlag:
Hinstorff 
Publiziert:
2011 
ISBN:
3-356-01418-8- 
Seiten:
40 S. 
Schlagwörter:
Märchen | Meer | Wünschen 

Rezension

Es ist ein klassisches Märchen aus dem Norden, plattdeutsch aufgeschrieben von Philipp Otto Runge, nacherzählt von Uwe Johnson: Auf den ersten Blick aber sind es die Bilder der Hamburger Illustratorin Ka­tja Gehrmann und ihre wilden Farbmelan­gen, die «Von dem Fischer und seiner Frau» wieder zu etwas Be­­sonderem ma­chen. Das Meer ist darin violett und dun­kelblau und grau und schlam­mig oder mil­chig grün und gelb und aufge­wühlt. Man kennt die Meeresbilder aus Gehrmanns Büchern wie «Gans der Bär» oder «Die Geschichte vom Lastkran, der eine Schiffssirene sein wollte», und taucht bereitwillig in sie ein. Sie wirken nicht bloss optisch, sie ha­ben auch akustische Quali­täten: Man hört das Möwen­geschrei über dem Kopf des Fischers, wenn er an der Küs­te den Plattfisch für einen Wunsch zu sich ruft. Man hört, wie im Sturm die Wel­len, hoch wie Kirchtürme, sich am Ufer bre­chen, wie der Fischer schreiend sein eige­nes Wort nicht mehr versteht. Und wenn Fischer und Frau im Bett liegen und sich eine gelb­weis­se Federde­cke sanft über die hal­be Dop­pel­seite legt, hat man das Nachrauschen des Meeres im Ohr.
Auf den zweiten Blick entdeckt man auch den sprachlichen Schatz, der in die­sem Märchen liegt: Ohne päda­gogi­sches Brimborium vermittelt es humanistische Werte und die Erfahrung der Sprach­­mäch­tigkeit, die ein Kind stark machen für die Begegnung mit einer aufregenden Welt. «Willst du nicht König sein, so will ich Kö­nig sein. Geh zum Plattfisch, ich will König sein», singt in John­sons Refrain des Fischers gierige Frau. Solch ein Rhythmus macht lebendig! Und im Ungestrählten die­ser Sätze nimmt man auch die Verwandtschaft zwi­schen den Autoren und der Illustratorin wahr.
Karin Schneuwly
Buch & Maus 4/2011, S. 25

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