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Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor

Autor/in:
Martin Baltscheit 
Übersetzung:
 
Verlag:
Bloomsbury 
Publiziert:
2010 
ISBN:
3-8270-5397-8 
Seiten:
40 S. 
Schlagwörter:
Identität | Alter | Demenz | Lebensgeschichte 

Rezension

Im Frühling hat uns Martin Baltscheit mit seinem verrückten Bilderbuch «Es waren einmal zwei wirklich dumme Gänse in ei­nem brennenden Haus!» überrascht, einer heiteren Fabel von der Lust am Vorurteil in knallig-grellen Farben, einer frechen klei­nen Spielerei in Dur. Nun ist es Herbst, und der Meister des druckgrafischen Kunstwerks zeigt, dass er auch die Molltonart, die zarteren Töne, die dunkleren Farben beherrscht.
Ohne seine charakteristische Leichtigkeit zu verlieren, berichtet Baltscheit von einem Leben, das gross und raumgreifend beginnt und mit dem Rückzug in die eigene Innerlichkeit endet. Erzählt wird eine Geschichte von der Brüchigkeit der Identi­tät: die Geschichte einer Demenz.
Der Fuchs ist ein Lebemann, «rot und schnell und immer hungrig»; einer, der Bescheid weiss über die Welt, der von den jungen Füchsen bewundert wird für sein Know-How, seine Tricks. Bunt ziehen die Bilder seines Lebens vorbei. Baltscheit braucht dann nur wenige Worte, um das Vergessen darzustellen, das im Leben des alternden Abenteurers Einzug hält. Umso sprechen­der sind die Bilder fortschrei­ten­der Isolation, Verunsicherung und Entfremdung; liebevoll und mit viel Humor entworfen, verbildlichen sie doch stets die ganze Tragik dieses Selbstverlustes, der endet, wie er enden muss: «Der Fuchs hatte vergessen, dass er ein Fuchs war.»
Doch statt am verwirrenden Aussen zerbrechen lässt Baltscheit seinen Helden in seiner inneren Welt versinken: einer Welt, die sich aus den Bildern eines Lebens speist, das nicht länger von der Bestäti­gung anderer abhängt. Am Ende steht ein alter Fuchs, ohne Verstand oder Verständ­nis für die Welt um ihn herum. Aber mit dem Gefühl, aufgehoben zu sein in sich selbst.
Manuela Kalbermatten

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