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Verfolgt

Autor/in:
Ally Kennen 
Übersetzung:
Aus dem Englischen von Katharina Orgass und Gerald Jung. 
Verlag:
Gerstenberg 
Publiziert:
2009 
ISBN:
3-8369-5242-4- 
Seiten:
272 S. 
Schlagwörter:
Erwachsenwerden | Mädchen, mutige | Thriller 

Rezension

Lexis Leben ist gerade alles andere als einfach. Schuld an den Stimmungsschwankungen der 16-jährigen Ich-Erzählerin sind aber nicht nur ihre “Teenagerhormone”: Der Vater sitzt im Knast, der Bruder gerät auf die schiefe Bahn, und Lexi landet im “öden Kaff” Bewlea bei ihrer Mutter, mit der sie sich nicht versteht. Zu allem Überfluss wird sie von deren Freund auch noch belästigt. Doch dann verirrt Lexi sich im Wald und wird von dem rätselhaften, im Wald lebenden Jungen Kos aus Lebensgefahr gerettet. Die beiden freunden sich an, und Lexi kommt einem lange verschwiegenen Asyl-Drama auf die Spur.
Es ist ganz schön viel, was Ally Kennen der Protagonistin ihres dritten Jugendthrillers aufbürdet. Umso erfreulicher, dass “Verfolgt” bei so viel kumuliertem sozialem Elend nicht in die Sparte des überbefrachteten Problembuchs rutscht. Das liegt in erster Linie an der gelungenen Charakterzeichnung: Lexi ist eine unkonventionelle, emanzipierte Heldin, die das Geschehen psychologisch stimmig und in lakonischem Ton kommentiert. So begleitet sie, das Stadtkind – “Ich bin nicht so ein Öko-Freak, der gern auf Bäume klettert und sich aus Löwenzahn Kaffee braut” –, ihr erstes positives Naturerleben ironisch mit “Gleich fange ich noch an, Blätter zu sammeln, und lege mir ein Pflanzenalbum an.” Soweit kommt es nicht. Dafür lernt Lexi, Verantwortung zu übernehmen, über sich hinauszuwachsen, ohne an Realismus zu verlieren – “Ich will nicht leiden. Ich will keine tote Heldin sein” –, und sogar auf ihre Mutter zuzugehen.
“Verfolgt” ist ein temporeich erzählter, gut geschriebener Jugendthriller, der Elemente des Krimis und des Sozialdramas mit einer Adoleszenzgeschichte verknüpft und dank der liebenswerten Protagonistin vergessen macht, dass die Autorin etwas viel in ihre Geschichte hineinzupacken versucht hat.
Manuela Kalbermatten

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