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Tintenherz

Autor/in:
Cornelia Funke 
Übersetzung:
Nintendo DS 
Verlag:
Tivola 
Publiziert:
2008 
ISBN:
4036473000298- 
Seiten:
CD-ROM 
Schlagwörter:
Abenteuer | Fantasy | Computerspiele | Buch im Buch 

Rezension

Mit “Tintenherz” ist Tivola endlich wieder ein guter Wurf gelungen. Im Spiel zum Film schlüpft man in die Rolle der Protagonisten Meggie, Mo, Staubfinger und Farid, denn es gilt Wichtiges zu tun: “Beschütze das Buch, löse das Rätsel, rette die Welt!” lautet der Appell auf der Tivola-Website. Das klassische Abenteuerspiel für das Handheld Nintendo DS bietet der Spielerin zahlreiche Rätsel und Geschicklichkeitsaufgaben, die im Schwierigkeitsgrad gut ausbalanciert sind und verschiedene Fertigkeiten ansprechen. Es wird geflohen, belauscht, jongliert, geschlichen, Feuer gelegt, aus dem Gefängnis ausgebrochen. Nicht zuletzt hilft die Spielerin Meggie und Mo beim magischen Vorlesen: Während Text über die linke Bildschirmseite scrollt, entwirrt sich ein roter Faden auf der rechten, der golden wird und funkelt, wenn man ihm korrekt mit dem Spielgriffel nachfährt.
Von der Grafik her ist das Spiel sehr einfach gestaltet: Zweidimensionale Spielfiguren bewegen sich etwas ungelenk durch die stimmungsvoll ausstaffierten Landschaften und Häuser. Ebenfalls schlicht ist der Ton: Spannungsgeladene Musik, die je nach Szene ändert, durchzieht das Spiel. Die Dialoge werden nicht mündlich inszeniert – was kostengünstig in der Produktion ist und unliebsame Synchronisierungsprobleme vermeidet –, sondern sind nur schriftlich vorhanden. Gelesen werden muss daher viel, auch in den Videosequenzen, welche auf erfolgreich gemeisterte Spielszenen folgen.
Mit zirka vier Spielstunden ein eher kürzeres Spiel, macht es einer tintenunbefleckten Spielerin Lust auf mehr. Gewiss ist die Geschichte weniger dicht als im Buch oder auch im Film, doch der Spannungsbogen und die Spielaufgaben wurden erfolgreich umgesetzt, und das Bibliophile des Buches kommt deutlich zum Vorschein – so muss man die Spielkonsole um 90° gedreht, wie ein Buch, halten.
Mela Kocher

Rezension 2

In der Fiktion ist es ohne Weiteres möglich, von einer Welt in die andere zu wechseln. In der Wirklichkeit schaffen wir bis anhin nur den mentalen und emotionalen Transfer. So sorgen spannende Abenteuer für intensiven Lese- oder Filmgenuss und lassen Leser/innen wie Zuschauer/innen in eine Geschichte eintauchen und das Hier und Jetzt für eine Weile vergessen. Solche Immersionserlebnisse faszinieren besonders in virtuellen Umgebungen und Computerspielen. Die Möglichkeit, Figuren und Handlung einer Geschichte direkt zu beeinflussen oder selbst in Gestalt eines Avatars auf der anderen Seite des Bildschirms durch imaginäre Welten zu wandeln, erweitert den herkömmlichen Rezeptionsprozess um aktive und kreative Komponenten.
In der Tintenwelt-Trilogie von Cornelia Funke dreht sich fast alles um das Phänomen des Wirklichkeitstransfers. Das Eintauchen in die Welt der Fiktion wird in ihrer Geschichte sogar Realität. Buchbinder Mo und seine Tochter Meggie verfügen nämlich über die aussergewöhnliche Gabe, Charaktere oder Gegenstände aus Büchern «herauszulesen» und anwesende Personen in der düsteren Tintenwelt verschwinden zu lassen. In der Folge gerät in beiden Welten einiges durcheinander. Bösewichte aus einem mittelalterlich anmutenden Fantasy-Reich treiben plötzlich in unserer modernen Wirklichkeit ihr Unwesen und trachten danach, hier ebenfalls die Herrschaft zu übernehmen. Da neben einem begnadeten Vorleser auch das Buch «Tintenherz» als Fahrkarte vonnöten ist, wird der Roman im Roman für beide Lager zum begehrten Objekt.
Das Konsolenspiel für den Nintendo DS basiert vorwiegend auf der Verfilmung des Romans und besticht durch eine hervorragende Grafik. In der Hand der Spielerinnen und Spieler verwandelt sich die Konsole gleichsam selbst in ein elektronisches Buch. Auf dem linken Bildschirm erscheinen jeweils Texte und Figurenporträts, während man rechts auf dem Touchscreen die Handlung steuert, Dialogzeilen auswählt und in die Rolle verschiedener Figuren schlüpft. Beispielsweise muss man sich durch eine rasante Schlittenfahrt in Sicherheit bringen, in verschiedenen Räumen nach Büchern oder hilfreichen Gegenständen suchen, Rätsel lösen und sich schliesslich in Capricorns Dorflabyrinth an gefährlichen Wachtposten vorbeischleichen und im Wettlauf mit der Zeit Brandherde legen, um die Schwarzmäntel abzulenken. Die bewältigten Minispiele erscheinen anschliessend in einer Spielekiste und können unabhängig vom Abenteuer gespielt werden. Neben Geschicklichkeit und Reaktionsvermögen sind auch immer wieder Einfallsreichtum und Kombinationsgabe gefragt. In den Dialogen mit verschiedenen Figuren erhält man Lösungshinweise und kann das kleine Action-Adventure mit Ausdauer und Geduld nach mehreren Spielstunden zu einem glücklichen Ende führen. Vorerst wenigstens, denn mit den Romanen «Tintenblut» und «Tintentod» geht die Geschichte ja weiter ... vermutlich auch als Fortsetzung auf der Kinoleinwand und mit neuen digitalen Spielen im Medienverbund.
Daniel Ammann,
merz | medien + erziehung 2/2009, S. 80

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