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Frankie unsichtbar

Autor/in:
Zoran Drvenkar (Text) | Martin Baltscheit (Illustration) 
Übersetzung:
 
Verlag:
Tulipan 
Publiziert:
2008 
ISBN:
978-3-939944-13-3 
Seiten:
43 S. 
Schlagwörter:
Fantasie | Mütter und Söhne | Wahrheit und Lüge 

Rezension

Frankie ist ein Junge, der an die Macht der Worte glaubt und merkt, dass man mit ihnen vieles falsch machen kann. Zuerst sind es die Worte seiner Schulkollegin Klara, die vorausgesagt hat, dass der nächste Regen unsichtbar machen wird. Darum will Frankie nicht nach draussen. Er muss trotzdem mit der Mutter zur Oma, drückt sich unter den Regenschirm, wird ein bisschen nass, ohne dass etwas passiert … noch nicht. Kaum scheint er diese Sorge los, erinnert er sich daran, dass er der Mutter endlich sagen müsste, dass seine Sporttasche nicht geklaut wurde, son-dern dass er sie im Bus liegen gelassen hat. Er wartet immer noch auf den richtigen Augenblick für dieses Geständnis.
Frankie wird an diesem Tag doch noch unsichtbar, geht ohne Eintritt ins Kino, fährt achtzehnmal gratis Karussell und macht bei den Löwen im Zoo ein Nickerchen. Abends aber, bei Oma zu Hause im Bett, wünscht er sich nichts sehnlicher, als wieder sichtbar zu sein. Und er nimmt sich vor, nie wieder zu lügen. Das wirkt.
Schwindel oder Lüge, Wirklichkeit oder Fantasie? Die Löwenlocke, die Frankie aus dem Hosen-sack zieht, um seine Mutter davon zu überzeugen, dass er dieses Mal nicht lügt, ist auf alle Fälle ein starkes Stück.
Drvenkars Erzählung öffnet Fantasieräume und bietet viel Identifikationspotenzial. Die Sache mit dem Lügen beschäftigt Kinder. Sie passiert manchmal einfach, und sie einzugestehen, fordert Courage. Hier wird Kinderliteratur ernst genommen in ihrer poetischen Funktion, in der Möglichkeit, Assozisationsräume zu öffnen, und in ihrer Chance, Probleme zu thematisieren, über die das Reden vielleicht schwer fällt. Die comicartigen, flächigen Bilder von Martin Baltscheit bilden einen eigenständigen Erzählstrang und drücken Frankies Gefühlslage in kräftigen Farbtönen aus.
Christine Tresch

Ein Buchtipp aus "weiterfliegen. Empfehlenswerte Kinder- und Jugendbücher", einem 2008 abgeschlossenen Projekt der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich und des SIKJM. Die rezensierten Bücher zeichnen ein differenziertes Geschlechterbild und zeigen Mädchen und Buben frei von Rollenklischees.

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