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Die Apfelschuss-Story: Der Tell-Mythos und seine Mystifikationen. Ein Vortrag von Jakob Tanner

Die Veranstaltung ist ausgebucht.

Mittwoch, 24. Oktober 2018, 18.30 bis 19.30 Uhr
SIKJM-Bibliothek, Georgengasse 6, 8006 Zürich

Der Tell-Mythos ist eine erfundene Geschichte. Als Sage vom Kampf gegen Gessler, von Mut, Flucht und Rettung hat sie eine fulminante Karriere auf allen Kontinenten durchlaufen, bis hinein in die jüngere Kinderliteratur der Schweiz: Überlegungen zu einem kreativen Umgang mit mythischen Erzählungen.

Wilhelm Tell, multimedialer und globaler Weltstar, gehört zum hochwertigen kulturellen Kapitalexport der Schweiz. Im Tell-Mythos sind politische Grundlektionen enthalten, die auch für das Nachdenken über die heutigen Probleme der Demokratie von Bedeutung sein können. Umso stärker fällt auf, wie sehr Wilhelm Tell anfällig ist für simple Mystifikationen. Rechtsextreme und Nationalkonservative spannen ihn vor ihren Karren, um reaktionäre Ideologien zu transportieren. Tell war und ist aber auch in der Linken beliebt, wo er das Recht auf Rebellion und den Widerstand gegen Herrschaft verkörpert. Gerade die Tatsache, dass es Wilhelm Tell nie gegeben hat, macht ihn anfällig für Vereinnahmungen aus allen Richtungen. Und immerzu bewegt er sich leichtfüssig zwischen nationaler Fixierung und internationaler Zirkulation. Der Vortrag im SIKJM mit anschliessender Diskussion folgt dieser produktiven Fiktion durch die Jahrhunderte.

Eine Veranstaltung des Schweizerischen Instituts für Kinder- und Jugendmedien im Rahmen von «Zürich liest».