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Opi Kas, die Zimtziegen und ich

Autor/in:
Marjolijn Hof 
Übersetzung:
Aus dem Niederländischen von Maike Blatnik. 
Verlag:
Aladin 
Publiziert:
2015 
ISBN:
978-3-8489-2044-0 
Seiten:
241 
Schlagwörter:
Tod | Alter | Island 

Rezension

Schneestürme voller Abenteuerversprechen und jede Menge Seemannsgarn sorgen dafür, dass man den neuen Kinderroman von Marjolijn Hof kaum aus der Hand legen kann. Obwohl das Thema, um das sich alles dreht, nicht zu den erfreulichsten gehört: Es geht ums Sterben, beziehungsweise um Selbstbestimmung am Ende des Lebens.
Twan, der Ich-Erzähler, und seine Zwillingsschwester Linde können sich nicht an ihren Urgrossvater erinnern; sie waren bei der letzten Begegnung noch Kleinkinder. Opi Kas wohnt in Island, die Kinder in den Niederlanden; seiner Tochter, Twans Oma, hatte der alte Seemann zeitlebens Kummer gemacht, weil ihm seine Freiheit wichtiger war als die Familie. Als seine Nachbarin sich mit der Nachricht, Kas sei todkrank, bei ihr meldet, beschliesst sie, es selbst anders zu halten. Sie reist mit Tochter und Enkelkindern nach Island, um ihren alten Vater zu sich zu holen. Doch diese Rechnung hat sie ohne den Wirt gemacht. Obwohl sich Twan vor dem alten Urgrossvater ekelt, weiss dieser genau, was er tun muss, um sich mit dem Jungen gegen die Frauen zu verbünden, die es mit ihrer Fürsorge übertreiben.
Wundersamerweise hat das Buch etwas Herzerwärmendes an sich, obwohl – oder gerade weil – Marjolijn Hof nichts beschönigt. Nicht die unlösbaren Span­nungen und Konflikte in der Familie, nicht die (aus Kindersicht) unappetit­lichen Seiten des Altwerdens, nicht die Unumgänglichkeit des endgültigen Abschieds, sei er nun selbstbestimmt oder nicht. Man würde sich wünschen, dass Mutter und Grossmutter ambivalenter, weniger eindimensional-übergriffig ge­zeichnet wären. Umso überzeugender ist ihr der Ich-Erzähler geraten, der seinem alten Urgrossvater zwar unbedingt ermöglichen will, auf seine Art zu sterben, dabei aber von Skrupeln und Schuld­gefühlen gequält wird – ist es richtig, die Mutter zu belügen, um Opi Kas zu helfen?

Christine Lötscher
Buch&Maus 1/16, S. 32

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