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Twinkel, die Weihnachtsmaus

Autor/in:
Rusalka Reh 
Übersetzung:
 
Verlag:
CBJ 
Publiziert:
2013 
ISBN:
3-570-15726-1 
Seiten:
65 
Schlagwörter:
Weihnachten | Erstlesetexte 

Rezension

Advent, Advent im Erstlesesegment: Die Vorweihnachtszeit wird gern mit thema­tischen Titeln bestückt. Doch die Winter-Weihnachtszeit kann durchaus künstlerisch anregend sein.
Eine solche Überraschung ist «Twinkel, die Weihnachtsmaus» von Rusalka Reh. Erschienen in der Reihe «Erst ich ein Stück, dann du», wechseln sich hier lange, komplexe Vorlesepassagen mit kurzen, sprach­­­­lich einfachen Abschnitten für Erst­­­leserInnen ab. Auffallend ist Rehs bilder­reicher Sprachstil, welcher der Geschichte Atmosphäre gibt und zugleich Vorstellungen model­liert, etwa wenn der «kalte Ostwind … pfiff und ächzte …, weil er ja schon seit Mil­lionen Jahren unter­wegs war» oder jener der richtige Freund ist, der – hörbar – eine schöne «Herzmelodie» hat. Erzählt wird von Twinkel, einer kleinen Hausmaus, die mit dem alten Mälzer glücklich in einer Pup­pen­stube zusammenwohnt, sich aber nach einem Freund sehnt. Da es gerade der 6. Dezember ist, rutscht kurze Zeit später die Erfüllung des Wunsches in Gestalt einer kleinen Fledermaus durch den Kamin. Dreimal versuchen die zwei Klei­nen, den Alten zu überzeugen, dass der Neue bleiben darf. «Fledder, die Fle­der­maus», so sein Name, zeigt, wie man mit variierten Sprachmustern – für Erstlese­rInnen erkennbar – ästhetisch gestalten und zugleich mit ihnen die richtige Aussprache üben kann. Auch die Vorlesegeschichte ist rhythmisch strukturiert und wartet mit überra­schenden Wendungen, originellen und lustigen Szenen und sogar Spannungsmomenten auf. Die kurzen Tex­te sind für Lese-AnfängerInnen leicht zu lesen, manchmal gereimt und an den genau richtigen Handlungsmomenten plat­ziert. Eine bilder­reiche Gestaltung tut ihr Übriges für ein gemeinsames genussvolles Vorlese- und Leseerlebnis.
Auf die Erkenntnis, dass Erstlesebücher vor allem in der Frühphase des Lesenler­nens hilfreich sein können, reagieren Verlage wie cbj mit innovativen Textmodellen oder Loewe mit einer zunehmenden Ausdifferenzierung des Stufen­modells. Das ist manchmal verwirrend, sieht Loewes 4. und letzte Lesestufe – «Lesepiraten» – inzwischen doch aus wie bei anderen Verla­gen Texte für die 1. oder 2. Stufe: grosse Schrift, kurze Zeilen, konsequent sinnbe­zo­gener Flattersatz und halbsei­tiger Bildanteil. Mit «Adventskri­mis» von THiLO bie­tet der Verlag in der Reihe «Lesepi­ra­ten» diesen Herbst soli­de Erstlesekost: span­nend und lustig die Handlung, einfach die Wortwahl, lese­freundlich das Layout.
Für die «2./3. Klasse» und damit bereits gefestigtere ErstleserInnen sind die «Kin­der-Bestseller» gedacht, die Oetinger he­rausgibt. Einzelne Episoden hauseigener Klassiker wie Astrid Lindgrens «Nur nicht knausern, sagte Michel aus Lönneberga», in der Michel für Unruhe beim weih­nacht­lichen Festschmaus sorgt, fül­len hier ein ganzes Buch, dessen Layout erst­lese­freundlicher ist als das Original. Die Lese­rätsel am Buchende ge­währen – mit rich­ti­gem Lösungswort – Zutritt zum Erstlese­portal www.lunaleseprofi.de, das die Ent­deckung ferner Welten durch das Lesen bildhaft umsetzt. Dort kann, so die Idee, der Lesenachwuchs auf verschie­dene Planeten reisen, Rätsel lö­sen, Spiele spielen – kurz: mir nichts dir nichts zum Leser werden. Lindgrens Texte selbst sind originalgetreu und keineswegs für ErstleserInnen geschrieben. Was man ihnen deut­lich anmerkt: lange, verschachtelte Sätze über mehrere Zeilen, ab und zu schwierige, ungebräuchliche Wör­ter, Lese­stolperstei­ne und Worttren­nungen. Wer das problemlos lesen kann, braucht eigentlich schon kein Erstlese­buch mehr.

Ina Nefzer
Buch&Maus 4/13, S. 27

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