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Mein Papa, der ist gross und stark, aber...

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Autor/in:
Coralie Saudo (Text) | Kris Di Giacomo (Illustration) 
Übersetzung:
Aus dem Französischen von Jacqueline Kersten 
Verlag:
Carlsen 
Publiziert:
2012 
ISBN:
978-3-551-51784-5 
Seiten:
32 S. 
Schlagwörter:
Väter und Söhne | Gute-Nacht-Geschichten | Humor | Verkehrte Welt 

Rezension

«Das Traumfresserchen» und «Wo die wilden Kerle wohnen» sind aus dem Gute-Nacht-Ritual nicht mehr wegzudenken – «Gute Nacht, Gorilla» ist auf dem besten Weg dazu. Ob das auch diese beiden Bil­derbücher schaffen werden, ist ungewiss. Auf jeden Fall aber zeigen sie anschau­lich, wie breit das Spektrum an neuen Geschichten für die Nacht derzeit ist.
Das französische Gespann Brière-Ha­quet und Philipponneau legt eine be­ruhi­gende Geschichte vor: Das kleine, kuller­augige Zebulon verliert eines Nachts seinen geliebten knallroten Ballon und ist entsprechend verängstigt. Schon entdeckt es zwei rote Punkte im Dunkel und wähnt dahinter seinen Ballon. Doch weit gefehlt: Es sind die Augen der Eule, die den Wald bewacht. Sie bietet dem Zebulon Hilfe bei der Suche an, die nun als Reihengeschich­te weitergeht; immer neue rote Punkte tauchen auf, entpuppen sich aber nie als Ballon, sondern als Pfingstrosen, Erdbeeren etc. Bei jedem dieser roten Objekte finden sich neue Tiere, die Zebulons Suche unterstützen: «Das Zebulon hört auf zu weinen. Zehn Freunde statt einen! Es tanzt mit ihnen, singt und lacht, hat keine Angst mehr in der Nacht. Flieg nur davon, huiiijt, du runder, roter Luftballon!»
Mit diesen versöhnlichen Zeilen endet die Geschichte, in der auch die Versform Halt gibt (selbst wenn die Übersetzung nicht immer ganz geglückt erscheint). Die Illustrationen, ja die ganze Aufmachung des Buches ist eigenwillig. Ein dicker Karton mit offener Leinenbindung suggeriert ein Pappbuch, doch innen befindet sich normales Papier. Die Illustrationen sind zweifarbige, typisch sche­ma­tisierende Holzschnitte: Schwarz für den nächtlichen Hintergrund, Schwarz­weiss für die Akteure sowie Rot, das dem Ballon bzw. den aufgefundenen Objekten in der Nacht vorbehalten ist. Das Buch ermöglicht viel Freiraum für eigene Fan­ta­sien, ohne dabei den Pfad des ruhigen Hineingleitens in die Nacht zu verlassen.
Diametral anders erscheint der Weg des Teams Saudo/di Giacomo. Zu Anfang deu­tet nichts auf Tur­bulenzen hin in die­sem Buch: Der Papa erscheint gross und stark im Titel und auf dem Coverbild. Doch dann steht das leidige Zubettgehen auf dem Programm, und jemand sperrt sich ganz offensichtlich dagegen. Alsbald realisie­ren wir, dass es sich dabei nicht um den kleinen Jungen handelt, sondern der Papa sich davor drücken will. In einer überdrehten Umkehrsituation versucht es der Junge mit allen Mitteln: erst mit Freund­lich­keit, dann mit Strenge, mit Vor­le­s­en oder mit Papa­­-zu-sich-ins-Bett-las­sen. Doch weil Papa im Dunkeln ein ganz klei­nes bisschen Angst hat, klappt es erst, als der Junge das Licht im Flur brennen lässt. Da ist man sogar als LeserIn am Ende erschöpft und ein bisschen bettreif!
Text und Bild verschmelzen in den gross­zügigen Bildern zu einer Gesamtheit. Die Dynamik im Bildraum ist gross, nicht zuletzt durch typographische Elemente, die die sich steigernde Situation visua­li­sieren. Obwohl ganz in warmen, beruhi­genden Erdtönen gehalten, kommt doch mittels Perspektive und überstei­ger­ten Grössenverhältnissen die Verdreht­heit der Geschichte so richtig ins Bild. Dank kleiner Details erhält man einen Eindruck von der verstrichenen Zeit in die­sem genüsslichen Kampf um die Nacht, bei dem sich Papa bis zum Schluss nicht von seinem geliebten Hut trennen muss. Sicher ein Erzählspass für Kinder, die sich lieber kugeln vor Lachen, anstatt sich ganz ruhig an jemanden anzuschmiegen; wenn sie denn schon ins Bett müssen!
Barbara Jakob
Buch&Maus 4/2012, S. 24

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