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Gutenachtgeschichte

Autor/in:
Stefanie Harjes (Illustration) | Ulrich Plenzdorf (Text) 
Übersetzung:
 
Verlag:
Hinstorff 
Publiziert:
2010 
ISBN:
3-356-01345-9 
Seiten:
48 S. 
Schlagwörter:
Fantasie | Gute-Nacht-Geschichten | Autorität 

Rezension

Was ist eigentlich eine Gutenachtgeschichte, fragt der Erzähler sein fiktives Publikum und kommt zur Antwort: “Eine Gutenachtgeschichte ist eine Geschichte, mit der die Erwachsenen ihre Kinder erpressen, früher ins Bett zu gehen, damit sie selbst ungestört fernsehen können.” Ulrich Plenzdorfs erstmals 1980 in der DDR erschienene “Gutenachtgeschichte” ist natürlich keine Erpressergeschichte dieser Art – obwohl der Autor die Aufmerksamkeit immer wieder spielerisch auf das zentrale Thema der Autorität in Alltag und Literatur lenkt. “Gutenachtgeschichte” ist ein Plädoyer für kindliche Selbstbestimmung, eine Hommage an die Fantasie, die sich ihre eigenen Pfade durch Worte und Bilder sucht, ohne sich eine Lesart aufzwingen zu lassen. Sie übt aber auch Kritik an den Einschränkungen, denen kindliche Imagination in einer autoritären Umwelt ausgesetzt ist.
Ausdruck des selbstbestimmten, aktiven Generierens von Geschichten ist diese Geschichte, die sich nicht linear, sondern in einer langen Reihe von Assoziativketten entwickelt und ein Nachdenken übers Geschichtenerzählen und den Literaturbetrieb selbst ist. Diese Assoziativketten gehen mit Stefanie Harjes fantastisch-wilden Illustrationen eine Metamorphose ein: Stärker als die satirischen, aber relativ gegenständlichen Zeichnungen des ersten Illustrators Rolf Köhler spinnen Harjes’ fragmentarische Collagen die in der Erzählung angeknüpften Fäden ins Unendliche weiter. Ausdruck der Fantasie, die sich ihren Weg bahnt, ist ein Einradfahrendes Fabeltier: Mit seiner seiltänzerischen Fahrt führt es die LeserInnen durch den rauschhaften Traum hindurch. Der Text legt den schöpferischen Akt in die Hände der LeserInnen selbst. Das aber macht nicht müde, sondern – bei aller Traumhaftigkeit des Werks – sehr wach.
Manuela Kalbermatten

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