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Johanna im Zug

Autor/in:
Kathrin Schärer 
Übersetzung:
 
Verlag:
Atlantis 
Publiziert:
2009 
ISBN:
3-7152-0582-2- 
Seiten:
32 S. 
Schlagwörter:
Fantasie | Identität | Reisen | Mädchen, neugierige | Schweine | Buch im Buch 

Rezension

Wir sitzen mit der Künstlerin am Arbeitstisch. Vor uns Malstifte, Pinsel, Schere, Max Frischs “Biografie: Ein Spiel” und ein fast noch leeres Blatt. Eine Lokomotive und zwei Wagen sind skizziert. “Ich zeichne einen langen Zug, einen Zug mit vielen Wagen. Ist das schon eine Geschichte?”, fragt sie. Ja, ein Anfang sicher. Dann werden die Passagiere des Zugs vorgestellt – Ziege, Hund und Kuh und ein kleines Schwein. Es bittet um einen grauen Fleck auf dem Fell und vor allem um einen Namen. Die Zeichnerin hat keinen zur Hand, aber Reisegefährtin Ziege errät ihn: “Du bist eine Johanna!”
Johanna greift in die Geschichte ein, sie rettet den kleinen Eisbären (Lars?) davor, dass er in einen falschen Zug einsteigt. Sie schäkert mit einem Schwein in einem parallel fahrenden Zug und lässt sich derweil von einem blinden Passagier ihr Jäckchen abluchsen. Sie bittet um Gesellschaft, und bekommt sie: zuerst einen Wolf, dann ein Monster, das Sendaks “wilden Kerlen” entlaufen sein könnte, schliesslich Jonathan, eben das Schwein, mit dem sie sich von Zugfenster zu Zugfenster angefreundet hat. Damit soll es gut sein. Die beiden Schweine ziehen der Künstlerin das Blatt aus der Hand und entlassen sie in die nächste Geschichte ...
Kathrin Schärers neustes Bilderbuch ist nicht nur eine warmherzige Geschichte über eine selbstbewusste Schweinedame, sondern auch ein Buch über das Entstehen eines Bilderbuchs und die Interaktion zwischen der Künstlerin und ihren Figuren. Für den Experimentiercharakter der Geschichte findet sie formal bestechende Lösungen. Mal erzählt sie auf einer Doppelseite ohne viele Worte, dann treibt sie die Handlung auf Halbseiten voran, die sich wie ein Buch im Buch ausnehmen, dann wieder greift sie zu Stilmitteln des Comics. Ein Buch für fast jedes Alter, das auch Lust macht, darüber zu philosophieren, was denn eine Geschichte ist.
Christine Tresch

Rezension 2

Wann ist eine Geschichte eine Geschichte? Dass ein Zug fährt, ist wohl noch keine. Auch nicht, wenn ein Schwein darin sitzt. Aber das ist schon mal ein guter Anfang. – Die erfolgreiche Schweizer Illustratorin Kathrin Schärer spielt mit der Erzählebene des Illustrierens, zeichnet ihren Schreibtisch und wie sie selbst Bilder für eine neue Geschichte malt. Das gezeichnete Schwein – noch namenlos und nackt – kommuniziert mit der Illustratorin, wünscht sich ein Hemd, das sie auch bekommt, sucht sich selbst einen Namen und findet ihn bei der Ziege im Nebenabteil. Zwischendurch verlangt Johanna, dass die Illustratorin zurückblättert, um die Abfahrt eines Zuges, in dem fälschlicherweise ein Eisbärkind allein sitzt, rückgängig zu machen. Als Johanna aber Jonathan findet, braucht sie die Illustratorin nicht mehr, meint, allein zurechtzukommen. Auf einem neuen Blatt entsteht dann ein Containerschiff …
Das lustvolle Spiel mit dem Motiv vom Buch im Buch macht Spass und regt zum Hin- und Herblättern und Weitererzählen ein. Schärer gelingt es, alle Ebenen unter einen Hut zu bringen, ein selbstbewusstes Schweinemädchen zu entwickeln und ausserdem viele versteckte Hinweise auf andere Bilderbücher (etwa von Jörg Müller) unterzubringen. Die Schweine selbst können als Verweis auf das ähnlich erzählte, preisgekrönte Bilderbuch "Die drei Schweine" von David Wiesner (2002) gelesen werden.
Bruno Blume

Ein Buchtipp aus "weiterfliegen. Empfehlenswerte Kinder- und Jugendbücher", einem 2008 abgeschlossenen Projekt der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich und des SIKJM. Die rezensierten Bücher zeichnen ein differenziertes Geschlechterbild und zeigen Mädchen und Buben frei von Rollenklischees.

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