Home Schweizerisches Institut für Kinder- und Jugendmedien Logo SIKJM Schweizerisches Institut für Kinder und Jugendmedien

Charlottes Traum

Autor/in:
Gabi Kreslehner 
Übersetzung:
 
Verlag:
Beltz & Gelberg 
Publiziert:
2009 
ISBN:
978-3-407-81054-0 
Seiten:
112 S. 
Schlagwörter:
Freundschaft | Mädchen, sensible | Selbstfindung | Abschied und Neubeginn 
Lesetipps für Lesespass 

Rezension

„Charlotte macht das schon“, heisst es, seit Charlottes Vater mit seiner Sekretärin druchgebrannt und die Mutter mit drei Kindern bei der Oma eingezogen ist. Wie es Charlotte geht, interessiert niemanden – denkt Charlotte. Auf die Trennung ihrer Eltern reagiert sie mit Wut auf die ganze Welt, und so ist es nur konsequent, dass die Österreicherin Gabi Kreslehner ihren ersten Jugendroman wie eine Schimpftirade beginnen lässt. „Scheisse“, heisst es schon im zweiten Satz, und auch sonst nimmt Charlotte kein Blatt vor den Mund. Dass wir als LeserInnen das Gefühl haben, ganz nah bei Charlotte zu sein, hängt denn auch mit der Sprache zusammen, die Kreslehner der jungen Ich-Erzählerin gibt. Das ist kein zufällig aufgeschnappter Jugendslang, sondern eine sorgfältig gestaltete Kunstsprache, in der Emotionen viel Raum haben.
Allmählich beginnt sich das Raubein Charlotte ein wenig zu öffnen, freundet sich mit anderen Raubeinen an, etwa mit dem gefürchteten Sulzer und Carlo, die, wenn man näher hinschaut, genauso sensible Seelen haben wie sie selbst. Am Ende dieses psychologisch fein gestimmten Romans sieht Charlotte überall Brüche, überall Schmerz – und überall die Möglichkeit, trotzdem glücklich zu sein. Oder gerade deswegen.
Christine Lötscher

Ein Buchtipp aus "weiterfliegen. Empfehlenswerte Kinder- und Jugendbücher", einem 2008 abgeschlossenen Projekt der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich und des SIKJM. Die rezensierten Bücher zeichnen ein differenziertes Geschlechterbild und zeigen Mädchen und Buben frei von Rollenklischees.

Lesetipps für Lesespass

Als ihre Eltern sich von einem auf den anderen Tag trennen, weil der Vater sich in seine Sekretärin verliebt hat, ist das für Charlotte, als donnere eine Lawine über sie hinweg; eine Lawine, die alles mit sich reist, was ihr bislang Halt gegeben hat. Kaleidoskopartig zeigt Gabi Kreslehner, was im Leben einer 14-Jährigen geschieht, die aus dem Gleichgewicht gerät, weil ihre Eltern sich scheiden lasen. Es ist eine enorme Entwicklung, die ihre junge Ich-Erzählerin dabei auf gut 100 Buchseiten durchläuft: Vom wohlbehüteten Teenager zur jungen Frau, die erkennt, dass das mit der Liebe alles nicht so einfach ist. Dabei gelingt es der österreichischen Autorin vortrefflich, die unterschiedlichen Befindlichkeiten ihrer Heldin einzufangen: lähmendes Entsetzen, Unverständnis, Trauer und Wut über die Trennung der Eltern und den Verkauf des geliebten Elternhauses, mehrere Umzüge, neue Partner und einen (Halb-)Bruder. Und doch geht Charlottes Leben immer weiter. Irgendwie. Und irgendwann auch wieder leichter.
Es ist eine sensible, verletzliche Heldin, die Kreslehner auf unverwechselbare Weise erzählen läst: sehr emotional, treffend und ehrlich, mal spröde, fast derb, dann wieder sehr poetisch und bei aller Schwere doch leicht. Charlotte reift zu einer jungen Frau, die sich zu wehren und abzugrenzen lernt. Gegenüber den Zicken in der neuen Klasse genauso wie gegenüber ihren Eltern. Sie findet ihren ganz eigenen Weg – und geht ihn auch. Selbst wenn er sie allein und hinter dem Rücken der Mutter nach Italien führt. “Kehle zu. Herz eng. Lieb dich trotzdem. Muss ja.”
Die Liste der Preise, die die 1965 geborene Autorin für ihr Manuskript erhalten hat, ist beeindruckend: Hans-im-Glück-Preis der Stadt Limburg 2008, Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis 2008, Peter-Härtling-Preis der Stadt Weinheim 2009. Das Buch ist es auch.
Andrea Duphorn

"Lesetipps für Lesespass" versammelt Lektüre-Empfehlungen des SIKJM für leseungeübte SchülerInnen ab dem Ende der Unterstufe.

21 Einträge << 1 - 10

Sortiert nach: