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Schenk mir eine Geschichte – Family Literacy

Das SIKJM-Projekt «Schenk mir eine Geschichte - Family Literacy» unterstützt die Ressourcen und Kompetenzen von Eltern mit Migrationshintergrund im Hinblick auf die sprachliche und literale Entwicklung ihrer Kinder.

Eltern und Kinder im Vorschulalter sind zu regelmässigen Geschichtenstunden in ihrer Herkunftssprache geladen. Die Animatorinnen sprechen mit den Eltern auch über den Umgang mit Mehrsprachigkeit und andere Fragen der Erziehung und Integration. Dabei ist zentral, dass die Eltern in der Sprache mit ihren Kindern sprechen, die sie am besten beherrschen. Eine differenzierte Erstsprache und früh erworbene literale Fähigkeiten sind eine wichtige Grundlage für den Erwerb der Zweitsprache Deutsch und den späteren Schulerfolg.

Preisgekröntes Projekt

«Schenk mir eine Geschichte» wurde im Jahr 2010 von UNICEF Schweiz mit dem Orange Award ausgezeichnet und erhielt 2008 den Alpha-Preis des Schweizerischen Komitees für die Bekämpfung des Illettrismus. Die Geschäftsstelle ISJM in Lausanne koordiniert das welsche Pendant unter dem Namen «1001 Histoires dans les langues du monde». Dieses wurde von der Integrationskommission des Kantons Waadt 2014 mit dem Prix du Milieu du Monde geehrt. Das Marie Meierhofer Institut für das Kind stellt in einer 2015 erschienen Begleitstudie positive Auswirkungen auf die Sprachentwicklung der teilnehmenden Kinder fest und empfiehlt, das Angebot institutionell weiter auszubauen. Ebenfalls 2015 wurde «Schenk mir eine Geschichte» von ELINET als Good Practice Projekt ausgezeichnet.

Ausserdem wurde das Projekt in die UNESCO Effective Literacy and Numeracy Practices Database (LitBase) aufgenommen. Den Eintrag dazu finden Sie hier.

Finanzielle Unterstützung

Die Pflege und der weitere Ausbau des schweizweiten Netzwerks mit zahlreichen Standorten wird seit Anfang 2015 von den Stiftungen Avina, Arcas Foundation, Sophie und Karl Binding, Ernst-Göhner, Gamil und Hamasil unterstützt.

Anlässe nach Kantonen  
AGSO
BETG
BS/BLUR
GRVS
LUZG
SGZH
SH 
Merkblatt "Wie mein Kind die Sprache entdeckt"  

Deutsch

Albanisch

Türkisch

Häufige Fragen

Warum findet das Projekt in der Erstsprache statt? Es ist doch wichtiger, dass meine Kinder Deutsch lernen.

Eltern sollten in der Sprache mit ihrem Kind sprechen, die sie am besten beherrschen und in der sie sich wohl fühlen - in ihrer “Herzenssprache“. Es empfiehlt sich, dass Sie sich zumindest in den ersten 4 bis 5 Jahren an die Regel “eine Person - eine Sprache“ halten. Wenn Ihr Kind die Erstsprache gut beherrscht, hilft ihm das beim Erwerb der Zweitsprache Deutsch. Im Kontakt mit anderen Kindern auf dem Spielplatz oder in der Spielgruppe und später im Kindergarten wird es schnell Deutsch lernen.

Mein Kind spricht immer Deutsch mit mir. Soll ich es dazu zwingen, die Muttersprache zu sprechen?

Nein, Ihr Kind darf die Sprache, die es benutzen will, selber wählen. Zwang kann seine Freude an der Sprache und die Lust, sich auszudrücken, hemmen. Bleiben Sie trotzdem bei Ihrer Herzenssprache, auch wenn Ihnen Ihr Kind Deutsch antwortet. So wird Ihr Kind den Kontakt zu Ihrer Sprache nicht verlieren.

In meiner Region gibt es "Schenk mir eine Geschichte" nicht. Wie kann ich trotzdem mitmachen?

Melden Sie Ihr Interesse in der Bibliothek Ihrer Wohngemeinde an. Das SIKJM unterstützt Bibliotheken und andere Institutionen, die das Projekt vor Ort realisieren möchten.

Gibt es "Schenk mir eine Geschichte" auch in deutscher Sprache?

An einigen Orten werden auch Leseanimationen für Familien auf Deutsch angeboten. Sie sind offen für deutsch- und anderssprachige Familien. In der Runde wird Deutsch gesprochen und erzählt, aber wenn Mutter und Kind gemeinsam in Büchern schmökern, können sie zusammen ihre gewohnte Familiensprache sprechen. Das Ziel ist das gleiche wie bei allen "Schenk mir eine Geschichte"-Leseanimationen: Die Lust an Sprache, Geschichten und Schriftlichkeit zu wecken.

Wie kann ich selber Animatorin von "Schenk mir eine Geschichte"-Veranstaltungen werden?

Nehmen Sie Kontakt auf mit der zuständigen Projektmitarbeiterin beim SIKJM (gina.domeniconi@sikjm.ch). Falls die Aussicht besteht, dass in Ihrer Region neue Animatorinnen für bestimmte Sprachen gesucht werden, können Sie einen dreitägigen Basiskurs für zukünftige Leseanimatorinnen “Schenk mir eine Geschichte“ besuchen.

Was bedeutet "Family Literacy"?

"Literacy" oder "Literalität" beschreibt die Fähigkeit, unterschiedliche Texte und Medien zu erarbeiten, zu verstehen und zu nutzen. Um diese Fähigkeit zu erlangen, brauchen Kinder von früh auf viele Erfahrungen rund um Erzähl-, Sprach- und Schriftkultur: Geschichten und Reime, das Spiel mit Symbolen und Schriftzeichen, Vertrautheit mit Büchern und anderen Medien. "Family Literacy"-Projekte haben zum Ziel, solche Erfahrungen im Familienalltag zu fördern. Die Leseforschung belegt klar, dass die Familie die wichtigste Instanz der Lesesozialisation ist.