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Shortlist Kinder- und Jugendmedienpreis 2017

Paloma Canonica: Amici. Triest, Bohem Press Italia, 2016

Was tun Freunde? Das kleinformatige Bilderbuch probiert verschiedene Antworten auf diese Frage aus und setzt sie in ganz reduzierten Bildern in Szene. Spannung und Humor entsteht dadurch, dass die dargestellten Freunde in der Natur Feinde sind. Freunde mögen nicht immer das Gleiche, heisst es da, und wir sehen, wie der Frosch im Regen vergnügt seine Zunge herausstreckt, die der regenscheuen Libelle gleichzeitig als Dach dient. Solche feinen Pointen erweitern den einfachen Text und lassen auch kleinste Kinder beim gemeinsamen Betrachten Entdeckungen machen. Ein Bilderbuch, das durch ein durchgehendes Farb- und Stilkonzept und die Beschränkung auf das Wesentliche überzeugt.

Sylvie Neeman / Ingrid Godon: Le petit bonhomme et le monde. Genf, La Joie de lire, 2016

In diesem Bilderbuch mit seinen feinen Bildern voller Zwischentöne folgen wir einer Menschwerdung: Das kleine Männchen verlässt die Schneekugel, in der es bisher gelebt hat. Ohne beengende Wände bekommt es Lust, zu laufen und zu springen. Staunend probiert es seine Sinne aus, erfährt, wie kalt der richtige Schnee ist und wie schlimm der Schmerz, wenn man fällt. Wie ein kleines Kind, das sich die Welt Schritt für Schritt zu eigen macht, entdeckt es seinen Körper, seine Gefühle und schlussendlich die wohltuende Gemeinschaft von anderen. Eine poetische Reflexion über die Annäherung an eine Welt voller Wunder und ein Plädoyer für Austausch und Zusammenleben.

Francesca Sanna: Die Flucht. Zürich, NordSüd, 2016 (Englische Originalausgabe: Flying Eye Books. Französische Ausgabe: Gallimard Jeunesse. Italienische Ausgabe: Emme Edizioni.)

Während der Text dieses Bilderbuchs aus der Perspektive eines Kindes die Flucht in ein sicheres Land beschreibt, öffnen die Bilder eine symbolische Ebene, in der eine eindrückliche Sprache für das Unaussprechliche gefunden wird. Das Meer, an dessen Strand gerade noch Sandburgen gebaut wurden, wird zur schwarzen Hand des Krieges, die über das Land zieht und auch den Vater mit sich reisst. Ein riesiger Grenzwächter erhebt sich über eine Mauer, doch die Mutter ist da und nimmt den Kindern die Angst. Der offene Schluss lässt Raum für Hoffnung, ohne einfache Antworten zu geben. Eine abstrahierte und doch konkrete Schilderung einer Flucht, meisterhaft inszeniert.

It’s Raining Elephants: Marta & ich. Zürich, Atlantis, 2017. (Französische Originalausgabe: Éditions Notari)

Marta mag klein sein, ihre Künstlerseele und ihr Schaffenswillen aber sind riesig: «Marta zeichnet immer und überall.» Eines Tages malt sie mit grosszügigen Pinselstrichen einen Löwen der in ihr Zimmer tritt und von seinen Abenteuern mit Marta erzählt. In einem dramaturgisch komponierten An- und Abschwellen von Emotionen und Intensität segeln die kleine Künstlerin und der Löwe über ein ruhiges Meer von blauer Farbe, geraten in einer wilden Wasserschlacht aneinander, tanzen, bis die Nachbarn an die Wand klopfen, und fliegen weit übers Land. Die Bilder in diesem Buch feiern die Macht der Kreativität detailreich, wild und voller Kraft.

Lorenz Pauli / Kathrin Schärer: Rigo und Rosa. Zürich, Atlantis, 2016

Rigo, der Leopard, ist gross und stark, aber oft etwas lethargisch. Rosa, die Maus, ist klein und ängstlich, dafür voller Energie. Die zwei verbindet eine besondere Freundschaft. In 28 kurzen Geschichten machen sie sich Gedanken über das Vertrauen und die Liebe, über Freiheit und Sicherheit, über das, was ist, und das, was sein könnte. Die Illustrationen setzen dabei die ganz eigenen Charaktere von Rigo und Rosa ins Bild. Jede der in einer rhythmischen, leichten Sprache erzählten, philosophischen Episoden endet mit einer Pointe, die Kinder und Erwachsene nicht nur zum Lachen, sondern ebenso zum Weiterdenken und Gespräch einlädt.

Luisa Campanile: La Friche. Paris, Ecole des loisirs, 2016

Eine Industriebrache und das Büro eines Politikers sind die zwei Handlungsorte in «La Friche». Auf der Brache treffen sich Jugendliche aus der Vorstadt. Arol möchte das Ödland mit Blumen zum Erblühen bringen und hegt grosse Ideale. Sammy versucht sich in eine Welt einzufügen, die ihm kaum Möglichkeiten lässt. Und Emma dreht ein Video, das im Rathaus für viel Aufregung sorgt. Die Autorin legt ihren differenziert gezeichneten Charakteren treffende Bilder in den Mund, um über ihre Machtlosigkeit und die fehlenden Entfaltungsmöglichkeiten zu sprechen. Das aktuelle Thema vom Wunsch nach Freiräumen in einer von Erwachsenen dominierten Welt steht im Zentrum dieses fürs Theater geschriebenen Textes.