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Die Kinderbuchproduktion von drei Schweizer Verlagen

Pädagogischer Anspruch, konfessionelle Botschaft und literarischer Markt

Die Studie ging anhand der Kinderbuchproduktion der Verlage Benziger (katholisch), Sauerländer (liberal) und Schneider bzw. Spittler (neupietistisch) der Frage nach, wie die Kinderliteratur verschiedener konfessioneller oder politischer Provenienz Modernisierungsprozesse aufnimmt und weitervermittelt; wo Differenzen feststellbar sind, und wo ein konfessionsübergreifender Konsens über die Funktion der Kinderliteratur besteht.

Sie konnte in der Produktion der untersuchten Verlage und in deren literaturpädagogischem Umfeld unterschiedliche Haltungen zu Modernisierungserscheinungen feststellen: Sauerländer veröffentlichte Texte, die der Modernisierung positiv gegenüberstehen und sie zu fördern versuchten, indem sie Bildungs- und Arbeitsbereitschaft vermittelten. Die Verlage der protestantischen Erweckungsbewegung propagierten eine Abkehr vom Rationalismus der Moderne und an dessen Stelle ein individuell erlebtes, täglich geübtes Christentum. Bei den katholischen Verlagen trat erst nach 1850 die Abwehr von Modernisierungserscheinungen, vor allem der Säkularisierung, in den Vordergrund, nun aber in der spezifischen Tendenz des sich organisierenden Katholizismus. Ohne Unterschied benutzten aber alle diese Verlage für die Verbreitung ihrer Publikationen die Strukturen und Organisationen, die der moderne Staat zur Verfügung stellte.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse ist im Band "Dichterische Freiheit und pädagogische Utopie". Hrsg. Heidy M. Müller. Lang-Verlag 1998, erschienen.

Projektleitung: Rosmarie Tschirky; Mitarbeiterin: Dr. Verena Rutschmann
Laufzeit: 1993-1995