Titel

AutorIn, IllustratorIn

Schlagwort

Erscheinungsjahr

Medium

Gattung

Kooperation

 

 

Bitte geben Sie im Formular die gewünschten Suchbegriffe ein und klicken anschliessend auf 'Suchen'.

Sie können auch nur eines der Felder ausfüllen.
Druckversion

1000 Gründe sich nicht zu verlieben

 

Autor/in: Hortense Ullrich
Übersetzung:  
Verlag:   Rowohlt Taschenbuch Verlag
Publiziert:     2003
Preis:   CHF 12.80
ISBN:   3-499-21236-6
Seiten:   185 S.

Schlagwörter:   Liebe, erste | Pubertät | Freundschaft

Rezension
“Freche Liebesgeschichten zum Taschengeldpreis” inklusive Glitzertattoo verspricht die neue Teeniereihe “Chaos, Küsse, Katastrophen”. Coole Girls drängen auf den Buchmarkt, die versuchen, mit Humor, Selbstbewusstsein und intensivem Bereden in verwirrten Liebesgeschichten die Oberhand zu behalten.
Warum verliebt man sich ausgerechnet dann zum ersten Mal, wenn das Leben ohnehin schon kompliziert genug ist? Da sind die Eltern, die Berge von Büchern über Pubertät und Ablösung gelesen haben, ohne dass die Kinder etwas davon hätten, und da ist, besonders bei den Mädchen, der Körper, der sich vor aller Augen verändert. Schule und Berufswahl machen die Sache auch nicht gerade leichter. Wie das Leben in der Pubertät auf die schiefe Bahn gerät, ist Stoff für viele Jugendbücher; nicht nur für literarische wie Karlijn Stoffels’ “Rattenfänger” (Beltz&Gelberg 2003), sondern für ganze Reihen von eindeutig pädagogisch ausgerichteten zu Themen wie Magersucht, Angstzuständen oder Drogen – etwa die dokumentarischen Romane von Jana Frey im Loewe-Verlag.
Immer mehr Pubertätsreihen erzählen aber nicht von ernsthaft grübelnden Teenagern, sondern von coolen Girlies – entsprechend dem Trend, den es in der Literatur für Erwachsene schon seit Jahren gibt: freche Bücher für wilde Frauen. Rotfuchs hat im Herbst eine neue Reihe mit Mädchenbüchern lanciert, die unter dem Titel “Chaos, Küsse, Katastrophen” viel Unterhaltung und viel Humor bei geschlechts- und altersspezifischer thematischer Ausrichtung verspricht. Dass der Verlag damit nicht in erster Linie leidenschaftliche Leserinnen anpeilt, verraten die aufklebbaren Glitzertattoos, die mit jedem Buch zu haben sind.
“Chaos, Küsse, Katastrophen”: Der Titel ist Programm. Die Autorinnen der ersten drei Bücher (diesen Sommer doppeln alle drei gleich noch einmal mit je einem Roman nach) halten sich streng an die Vorgabe und lassen ihre Girls in (gemässigt) chaotischen Verhältnissen aufwachsen, schicken sie in komplizierte Liebesverstrickungen, die immer haarscharf an der Katastrophe vorbeischlittern. Eine ordentliche Katastrophe muss man sich so vorstellen: Sanny ist dreizehn und war noch nie verliebt. Nun nimmt sie sich fest vor, sich in Rob zu verlieben, was gründlich schief geht, doch immerhin entsteht so eine Reihe von vergnüglichen Missverständnissen.
Doch es geht den Autorinnen nicht nur um Klamauk. Das Selbstvertrauen von Mädchen in der Pubertät – nach Aussagen von PädagogInnen bekanntlich ein höchst zerbrechliches Gut – soll gestärkt werden, und so findet sich schliesslich für Sanny eine glückliche Lösung. Sanny gibt es auf, sich um jeden Preis verlieben zu wollen – und verliebt sich, wie das Leben so spielt, als sie es am wenigsten erwartet.
Es ist gar nicht so leicht, ein lustiges Buch über die Irrungen und Wirrungen der weiblichen Pubertät zu schreiben und dabei die Sorgen der Mädchen ernst zu nehmen. Da der Humor in allen drei Büchern von den Elementen der (Fernseh-) Komödie lebt, also von Missverständnissen, Situationskomik und berechenbaren Figurentypen, ist wenig Platz für eine differenzierte Darstellung der Protagonistinnen. Sanny entspricht einem bestimmten Typus Mädchen, einem, mit dem sich jede Leserin identifizieren kann: Sie sind hübsch, aber nicht übertrieben schön und ganz bestimmt nicht glamourös aufgedonnert, sie sind ein bisschen mutig und ein bisschen schüchtern, klug, einfühlsam, sozial kompetent, und ihr Selbstbewusstsein ist zwar in Ordnung, wenn auch nicht über alle Zweifel erhaben. Und noch etwas: Sie sind ausgesprochen kommunikativ.
Da setzt denn auch die versteckte Pädagogik der “Chaos, Küsse, Katastrophen”-Reihe ein: die Mädchen machen zwar öfter Dummheiten, doch sie kommen gleich wieder zur Besinnung und diskutieren die Sache in allen Einzelheiten aus, entweder mit der besten Freundin oder häufig auch mit der Mutter. Da haben sie nämlich Glück: Ihre Mütter sind zwar unglaublich chaotisch – “Manchmal müssen Töchter auch für ihre Mütter da sein, besonders bei Liebeskummer, und bei Mamas drei Lovern seit Papa hatte ich ganz gute Übung bekommen”, sagt Bonnie einmal seufzend –, sie sind aber dennoch moderne Powerfrauen, die Beruf, Kinder und Liebesleben irgendwie unter einen Hut bringen und dabei immer ein offenes Ohr für die Sorgen der Tochter haben. Die Bücher bestehen zum grossen Teil aus Dialogen, was ihnen Tempo und Drive gibt – und die harmlos-heitere Botschaft zwischen den Zeilen ist deutlich genug: Es gibt für alles Lösungen auf der Welt, wenn man nur darüber redet – und öfter mal über sich selber lacht.
CHRISTINE LÖTSCHER