
Augenblicke
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| Autor/in: |
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James Howe |
| Übersetzung: |
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Aus dem Amerikanischen von Mirjam Pressler. |
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| Verlag: |
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Ravensburger Buchverlag |
| Publiziert: |
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2003 |
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| Preis: |
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CHF 19.50 |
| ISBN: |
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3-473-35243-8 |
| Seiten: |
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141 S. |
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| Schlagwörter: |
Angst | Anderssein | sexuelle Ausbeutung | Gewalt in der Familie | Einsamkeit |
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| Rezension |
Für den jungen Rettungsschwimmer Chris ist sie “die Beobachterin”. Die sieben Jahre alte Callie nennt sie “Harriet, die Spionin”. Und ihrer Mutter erscheint das sonderbare Mädchen, das das bunte Treiben am Strand Tag für Tag von einem “sicheren” Platz aus auf der Treppe verfolgt, wie “eine zerbrochene Muschel”. Still sitzt sie auf den Stufen, macht sich Notizen, reagiert kaum, lächelt nie.
Doch wie Chris, Callie und ihre Mutter, die das Verhalten jenes bis auf Seite 109 namenlosen Mädchens immer wieder beschäftigt, spinnt sich auch die dreizehn Jahre alte Margaret ihre ganz eigene Geschichte über die von ihr beobachteten Menschen zusammen. Realität und Fantasie beginnen sich dabei mehr und mehr zu vermischen.
In Margarets kursiv gesetzten Aufzeichnungen wird Chris zu einem Engel, der die Prinzessin Miranda aus den Fängen jener Bestie befreit, die sie seit Jahren gefangen hält. Callies älterer Bruder Evan wird zu Prinz Evario, dem Bruder der verschollenen Prinzessin, seine kleine Schwester, Mutter und Vater werden zur königlichen Familie. Doch so vollkommen, mutig, strahlend schön und stark Margaret die HeldInnen ihres Märchens auch erscheinen mögen, im realen Leben werden sie von grossen Zweifeln, Ängsten und Unsicherheiten gequält.
Evan fürchtet als “totaler Versager” zu gelten, hat Angst, dass seine Eltern sich nicht mehr lieben, die Familie auseinander fällt. Und Chris kämpft seit Jahren erfolglos um die Liebe seines Vaters, der den Tod des ältesten Sohnes nicht überwinden kann, der als Vierjähriger in einem Pool ertrunken ist – lange bevor Chris auf die Welt kam.
“Augenblicke” heisst Howes psychologisch fesselndes Jugendbuch. Und aus solchen setzt es sich auch zusammen. In lose aneinander gereihten Episoden gewährt der US-amerikanische Autor Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt seiner ProtagonistInnen, fügt so die Lebens- und Leidensgeschichten dreier Jugendlicher Stück für Stück zusammen. Das erschreckende Geheimnis, das das “Mädchen auf der Treppe” umgibt, wird erst in den beiden letzten Kapiteln gelüftet: Seit Jahren ist sie der unberechenbaren Wut ihres gewalttätigen Vaters ausgesetzt.
Die Strafe, die folgt, als er das Märchen-Tagebuch seiner Tochter entdeckt und eine Aufnahme von Evans “glücklicher” Familie, in die Margaret ihr eigenes Foto eingefügt hat, droht diese nicht zu überleben. “… diesmal war sie zu weit gegangen, zu böse gewesen. Und das Biest wird mich töten.” Evan und Chris sind zufällig in der Nähe, als der Vater sie im Spülbecken zu ertränken droht. Sie retten Margaret das Leben – und damit irgendwie auch sich selbst.
“Mein Vater (…) tut mir weh.” Mit Prinzenbruder und Schutzengel an ihrer Seite findet Margaret die Kraft, das Unaussprechliche auszusprechen und sich so aus dem Bann des Biestes zu befreien. Eine einfühlsam erzählte, spannende und zugleich tiefgründige Geschichte um die seelischen Nöte, Ängste und Hoffnungen von Heranwachsenden. Über das Einsam- und Anderssein, die Suche nach Liebe und Geborgenheit – und: Gewalt in der Familie.
Andrea Duphorn |
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