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Als wir allein auf der Welt waren

 

Autor/in: Ulf Nilsson (Text) | Eva Eriksson (Illustration)
Übersetzung:   Aus dem Schwedischen von Ole Könnecke
Verlag:   Moritz
Publiziert:     2009
Preis:   CHF 22.90
ISBN:   3-89565-212-1
Seiten:   40 S.

Schlagwörter:   Verantwortung | Geschwister | Einsamkeit | Überforderung

Rezension
Was geschieht, wenn ein kleiner Knirps zu früh vom Kindergarten nach Hause geht und keiner da ist? Er denkt, seinen Eltern sei etwas Schreckliches passiert. Und er müsse von nun an alleine für seinen kleinen Bruder sorgen. Eine schwere Bürde für ein knapp sechsjähriges Kind!
Doch der kleine Kerl in Rot nimmt sich der Aufgabe an. Zusammen mit dem Buben in Blau baut er ein Häuschen vor dem Haus. Eine Pappschachtel wird zum Fernseher und er, der grosse Bruder, zum Pingu im Fernsehprogramm. Auch Kuchen backen sie, ganz wie die Grossen! Allein sein kann ganz lustig sein, doch eigentlich ist es sehr traurig.
Als die Mama schliesslich den Kopf durchs Dach streckt, sind beide überglücklich.
“Als wir allein auf der Welt waren” ist ein schönes, jedoch komplexes Bilderbuch. Es nimmt auf sprachlicher Ebene das Gefühl des Verlassenseins der Kinder auf, während die Bilder diesem Gefühl entgegenwirken. In ihren weichen Farbtönen, von denen sich nur die beiden Buben bunt abheben, und den zart umrandeten Gegenständen strahlen die Bilder Beruhigung aus und signalisieren, dass alles in Ordnung ist. Denn, was nur aufmerksame BetrachterInnen ahnen können, das Ührchen auf der ersten Seite verrät es, beruht die Geschichte zum Glück auf einem Missverständnis.
Ein Buch zum Vorlesen und gemeinsam Anschauen, am besten gleich mit Hilfe einer richtigen Uhr.
Petra Bäni

Rezension
Der kleine Ulf, noch nicht mal in der Schule, muss sich ganz allein um sich und seinen kleinen Bruder kümmern. Mama und Papa sind von einem blöden roten Laster überfahren worden – müssen sie sein, denn sie haben ihn nicht vom Kindergarten abgeholt um drei Uhr, wie sonst immer. Er weiss es genau, denn sie haben die Uhrzeit gelernt: neun Uhr, zehn Uhr, ein Uhr, zwei Uhr. So traurig der Kleine ist, er darf sich vor dem kleinen Bruder nichts anmerken lassen. Also versucht er, Normalität zu bewahren, was heisst: nach dem Kindergarten zu Hause ein bisschen Fernsehen, auf dem Teppich sitzend und Keks knabbernd. Das Problem ist: Sie haben keinen Fernseher, keinen Teppich, keinen Keks – und kein Zuhause mehr! Also bauen die zwei Kerlchen ein Haus im Garten, Laub soll den Teppich ersetzen, ein Fernseher ist schnell aus einer Kartonkiste gebaut und für die Kekse gehen sie zum Nachbarn. Aber als das Fernsehprogramm zu anstrengend wird, der Keksteig Bauchschmerzen macht und die Trauer über den Zustand als Waisenkinder doch obsiegt, gerade da hören sie Stimmen …
Das erfolgreiche schwedische Duo Nilsson-Eriksson spielt diese schrecklich-faszinierende Kinderfantasie behutsam, witzig und konsequent durch. Mitleid, Nervenkitzel und Zuversicht halten sich die Waage. Und der kleine Ich-Erzähler ist eine prima Identifikationsfigur: verantwortungsbewusst, empathisch, hilfsbereit, emotional, erfinderisch, geschickt, klug – aber nicht ohne Fehler. Ein kleiner Held für den Alltags.
Bruno Blume


Ein Buchtipp aus "weiterfliegen. Empfehlenswerte Kinder- und Jugendbücher", einem Projekt der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich (ehemals Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann der Stadt Zürich) und des Schweizerischen Instituts für Kinder- und Jugendmedien (SIKJM).