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American Youth

 

Autor/in: Phil LaMarche
Übersetzung:   Aus dem Amerikanischen von Malte Krutzsch.
Verlag:   kunstmann
Publiziert:     2007
Preis:   CHF 30.70
ISBN:   978-3-88897-481-6
Seiten:   238 S.

Schlagwörter:   Gewalt unter Jugendlichen | Schusswaffen | Gesellschaftskritik

Rezension
Es ist Sommer. Doch nicht nur die Hitze drückt schwer auf die Stimmung in der US-amerikanischen Kleinstadt. Wirtschaftlich läuft es schlecht, die Väter finden keine Arbeit mehr. Auch Teds Vater arbeitet weit enfernt von zu Hause. Eines Nachmittags hängt Ted mit zwei weiteren Jugendlichen herum. Als einer blafft, hier gehe ja gar nichts ab, prahlt Ted mit seinem Gewehr und lässt sich dazu überreden, das Ding zu laden. Er dreht sich für einen Moment weg, und schon liegt einer der Brüder tot auf dem Fussboden.
Das geschieht auf den ersten Seiten. Im Zentrum des Buches steht die Zeit danach, wie die Mutter vertuschen will, dass ihr Sohn die Waffe geladen hat, wie der Vater die Tür zu Teds Hölle aus Einsamkeit und Schuldgefühlen mit der Autorität des Schusswaffenfans schliesst: “Wir sagen kein Wort dazu. Wenn jemand fragt, geh einfach drüber weg. Tu so, als wäre überhaupt nichts passiert.” Und vor allem geht es um Ted und wie er unter diesen Bedingungen weiter zu leben versucht. Mit dem Feuerzeug brennt er sich Wunden ins Fleisch, um über dem oberflächlichen Schmerz den inneren zu vergessen. Schmerzhaft genau und unerbittlich ist auch LaMarches Erzählton.
Doch der Unfall hat in einem Land, in dem das Recht des freien Bürgers auf Waffenbesitz ein Politikum erster Güte ist, nicht nur psychische Folgen für Ted. Eine Gruppe rechtsextremer Jugendlicher, die sich “American Youth” nennt, wirbt ihn als neues Mitglied an. Als er sich wieder zurückziehen will, wird es gefährlich.
LaMarche zeichnet ein beklemmendes Porträt einer Gesellschaft, die von den Menschen maximale Flexibilität verlangt, ohne ihnen mehr zu bieten als Überlebenskampf.
Christine Lötscher