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Schau genau – Regarde! – Look twice Zürich: Schweizerisches Institut für Kinder- und Jugendmedien (SIKJM) 2002. 104 S., Fr. 30.- Bezug über das SIKJM. Tel: +41 43 268 39 00, E-Mail: info@sikjm.ch ![]() Der Katalog "Schau genau – Regarde! – Look twice" begleitet und reflektiert die gleichnamige Wanderausstellung. Sieben Beiträge aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz vertiefen verschiedene, in der Ausstellung vertretene Aspekte. Anna Katharina Ulrich führt behutsam und spielerisch zum Bilderbuch als frühem Begegnungs- und Erfahrungsort mit Bildern und zeigt, wie das Blättern, Lesen und vor allem das Bildentziffern im Bilderbuch zu einer von Kind und Erwachsenem gemeinsam erlebten Suche nach der Wirklichkeit wird. François Vié lässt die von ihm persönlich erlebte Aufbruchstimmung im Frankreich der 1960er- und 1970er-Jahre wieder aufleben und zwar in zahlreichen Erinnerungen an und persönlichen Interviews mit verschiedenen wichtigen Künstlern jener Avantgarde, die mit sehr verschiedenen Strategien versuchte, eigenwillige, von jeglichen pädagogischen Vorstellungen befreite Bilderbuch-Kunstwerke zu schaffen. Anhand von einigen ausgewählten Beispielen zeigt Reinbert Tabbert, wie von Goethe herausgearbeitete Züge der Ballade in Bilderbüchern anzutreffen sind, die damit ihren reflektierten Kunstcharakter unter Beweis stellen. Denise von Stockar versucht in "Die Wechselwirkung von Realem und Imaginiertem im Bilderbuch", den im modernen Bilderbuch immer häufiger und differenzierter dargestellten Innenräumen der subjektiven Imagination des Kindes nachzuspüren, die von vielen BilderbuchkünstlerInnen gerade dann inszeniert werden, wenn es um die Verarbeitung psychischer Konflikte oder um die Aufarbeitung von Erinnerungen geht. Bernard Friot vergleicht das von Colette geschriebene und von Maurice Ravel vertonte "L’enfant et les sortilèges" (1924) mit Maurice Sendaks "Max et les Maximonstres" (1963). Dabei wird deutlich, wie sehr sich die Vorstellung vom Kind verändert hat: von einem in pädagogischer Optik erziehbaren Objekt hin zu einem konfliktfähigen Menschen mit seinen Ängsten und Nöten. Ulrike Blatter ist dem Stil einiger wichtiger IllustratorInnen auf der Spur, indem sie deren Strich in seiner ganzen Verschiedenheit nachspürt – bis hin zu seinem Verschwinden. Sie möchte dabei die doppelte – erwachsene und kindliche – Lektüre des Bilderbuches und die damit verbundene schwierige, manchmal umstrittene Rolle seiner Künstler und Künstlerinnen erhellen. Renate Raecke zeigt in ausgewählten Beispielen, wie jeder einzelne Buchstabe eines ABC-Buches, aber auch jede typographische Gestaltung eines Textes neben der Vermittlung inhaltlicher Aussagen immer auch einen visuellen Auftritt auf der Bühne "Bilderbuch" darstellt, der auf ebenso informative wie kunstvoll verspielte Weise neugierig macht, Kontrapunkte zum Text setzt, das Bild interpretiert und Lust am Spiel mit gedruckter Sprache weckt. Ein "Blick in fremde Bilderwelten" lädt schliesslich ein, weniger vertraute oder in Text und Bild kaum mehr zugängliche Bilderbücher aus ferneren Kulturen einmal "genau anzuschauen" und somit wenigstens ansatzweise zu realisieren, wie fragmentarisch ein des Lesens noch nicht kundiges Kind ein Bilderbuch erfasst, um nicht zu sagen: erahnt; aber auch, wie hilflos, ja verloren auch Erwachsene sich fühlen, wenn sie mit den geheimnisvoll fremdartigen Sprachen, Schriftzügen und Bildsprachen von Bilderbüchern aus Osteuropa und Russland, aus Südamerika und vor allem aus Japan und Iran konfrontiert werden. ![]() |
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